Alexander Bichl: Motivation richtig umsetzen. Sport als Neujahrsvorsatz: Was beim Laufen im Winter wichtig ist, erklärt das Zwettler Lauf-Ass Alexander Bichl.

Von Markus Füxl. Erstellt am 09. Januar 2021 (04:58)
Kopfbedeckung und die richtigen Schuhe: Der Zwettler Laufprofi Alexander Bichl erklärt im NÖN-Gespräch motivierten Einsteigern zum Jahresbeginn, worauf es beim Laufen im Winter ankommt.
privat

NÖN: Viele Menschen gehen mit Neujahrsvorsätzen in den Jänner. Traditionell steht da Sport hoch im Kurs und Laufen ist beliebt und ohne viel neues Equipment möglich. Was sollte man beachten, wenn man im Winter mit dem Laufen beginnt?
Alexander Bichl: Das beginnt bei den klassischen Dingen: Die richtige Kleidung und die passenden Schuhe. Man sollte sich von einem Professionisten über die richtigen Laufschuhe beraten lassen. Wenn man sich einfach einen Standard-Schuh aus dem Internet bestellt und nur mit dem läuft, kann das bestehende Fehlstellungen verstärken. Beim Laufen selbst sollte man sich Schritt für Schritt steigern. Ich sehe oft, dass sich die Leute überfordern. Es hat keinen Sinn, gleich am Anfang zwei Stunden laufen zu gehen. Besser ist vielleicht eine Viertelstunde, dazwischen kann man schneller gehen. Anfänger sollten sich sukzessive steigern, sonst ist man rasch demotiviert.

Auf was sollte man bei den Laufschuhen genau achten?
Der Körper neigt rasch dazu, sich an etwas zu gewöhnen. Das ist beim Laufen schlecht, weil man dann immer einseitige Belastungen hat. Ich halte viel davon, immer wieder verschiedene Schuhe von unterschiedlichen Anbietern zu verwenden. Es ist wichtig für den Fuß, Abwechslung zu haben und ihn verschiedenen Reizen auszusetzen. Bei stark gedämpften Schuhen ist es wichtig, sie nicht den ganzen Tag zu tragen. Dadurch bekommen auch viele Läufer Probleme, denn dadurch wird der Fuß „faul“ und arbeitet selber nicht mehr. Die Muskulatur geht dann zurück.

Der Körper neigt rasch dazu, sich an etwas zu gewöhnen

Welche Kleidung ist beim Laufen im Winter ideal?
Das ist so eine Sache: Im Winter haben die Leute in der Regel zu viel an. Beim Weglaufen sollte dir ein wenig kalt sein, es ist ok, wenn du leicht fröstelst. Es ist aber auch Geschmackssache: Ich könnte zum Beispiel im Winter nicht ohne Haube und Handschuhe laufen, weil ich etwa über den Kopf viel Energie verliere. Da ist es besser, diese exponierten Stellen zu schützen, auch um eine Verkühlung zu vermeiden.

Apropos kalt: Gibt es eine Temperatur, ab der man nicht mehr laufen gehen sollte?
Ich bin der Meinung, dass man bei jeder Temperatur laufen kann. Je tiefer die Temperatur, desto weniger sollte man sich anstrengen. Wenn es wirklich kalt ist, sollte man langsam laufen und keine tiefe, sondern eine flache Atmung haben. Intervalltraining sollte man dann indoor betreiben, etwa beim Laufen in der Halle, oder Radfahren auf der Walze. Sonst geht das eventuell auf die Bronchien, beziehungsweise Lunge.

Ich bin der Meinung, dass man bei jeder Temperatur laufen kann.

Und nach dem Laufen? Was sollte man bei einem starken Muskelkater machen?
Bei einem Muskelkater ist es das Beste, man gibt eine Ruh und entspannt sich. Massieren sollte man nur vorsichtig, das gleiche gilt beim Dehnen. Das würde ich nicht unmittelbar nach dem Lauf machen, sondern eine halbe oder eine Stunde danach, vielleicht nach einer Dusche. Natürlich kann man auch schonende Kühl-, beziehungsweise Schmerzgels verwenden, das Effizienteste meines Erachtens ist es aber, den Körper und die Muskeln einfach regenerieren zu lassen.

Wie sieht es bei fortgeschrittenen Läufern aus? Wie trainieren Sie selbst während der kalten Jahreszeit?
Grundsätzlich kann man das ganze Jahr über trainieren. Es empfiehlt sich, einen Trainingsplan zu erstellen. Ich persönlich halte viel vom „Crescendolauf“, das ist ein Steigerungslauf. Man fängt langsam an und erreicht am Ende das Wettkampftempo. Fortgeschrittene Läufer können sich nur mehr steigern, wenn sie im Training die Qualität verbessern. Ich halte nichts von der „Kilometerfresserei“: Manche laufen irrsinnig viele Kilometer. Besser ist es, man trainiert qualitativ.

Wie war das heurige Laufjahr für Sie persönlich?
Mit Corona war es natürlich ein Ausnahmejahr. Durch die Laufpausen bin auch ich ein wenig aus dem Rhythmus gekommen. Ich bin zuletzt auf über 600 Läufe in den vergangenen sechs Jahren gekommen, das ist eine zufriedenstellende Zahl für mich. Ich habe aber nicht vor, 1.000 in zehn Jahren zu erreichen, denn die Zeit wird nicht mehr, da ich mittlerweile auch Vater einer Tochter namens Amanda bin. Man muss auch auf die Gelenke achten. Heuer war ich froh, dass ich den Volkslaufcup gewonnen habe. Ein besonderes „Bonbon“ war, dass meine damalige Lebensgefährtin ebenfalls die Frauen-Wertung gewinnen konnte. Bisher bin ich verletzungsfrei geblieben, auch das ist viel wert. Ich behaupte immer mit Augenzwinkern, dass ich so lange laufen werde, bis auch meine Tochter zu laufen beginnt.