Echsenbach: 100 Jahre Franz Lehr

Am 13. November feierte der ehemalige Wirt einen ganz besonderen Geburtstag.

Erstellt am 21. November 2021 | 07:15

Die Gemeinde Echsenbach feiert ihren 100-Jährigen, der frohen Mutes ankam und nicht wieder ging. Am 13. November wurde der ehemalige Wirt und Ehrenbürger Franz Lehr 100 Jahre alt. Dieses ganz besondere Jubiläum musste natürlich gebührend gefeiert werden und wartete deshalb mit so einigen Überraschungen auf.

So durften alteingesessene Echsenbacher staunen, als das Gasthaus Lehr zum besonderen Anlass nach mehr als 30 Jahren wieder seine Tore öffnete. Seit der Pensionierung Lehrs 1987 war das Lokal eigentlich nicht mehr in Betrieb, doch zum 100er machte der Jubilar eine Ausnahme.

Als besondere Überraschung für das Geburtstagskind selbst marschierte die Musikkapelle auf und spielte ihm ein Ständchen. „Du bist wie kaum ein anderer in Echsenbach“, meinte Bürgermeister Josef Baireder, nachdem er Lehr gratuliert hatte. „Schon immer warst Du mit Deinem sozialen Denken aufgeschlossen zu Neuem und für die Jugend.“

Im Anschluss gratulierten Vertreter der zahlreichen Vereine, in denen Franz Lehr nach wie vor Ehrenmitglied ist. So wünschten ihm Feuerwehr und Kameradschaftsbund alles Gute und vor allem Gesundheit für viele weitere Jahre. Der Jubilar zeigte sich sichtlich gerührt von den zahlreichen Gratulationen. „Danke, dass ihr alle gekommen seid“, meinte er.

Ein Oberndorfer wurde zum Echsenbacher

Auch wenn Franz Lehr den Großteil seines Lebens in Echsenbach verbrachte, geboren ist er anderswo. Im Jahr 1921 erblickte Lehr in Oberndorf das Licht der Welt. Der Ort lag am Gebiet des heutigen Truppenübungsplatzes Allentsteig und wurde ab 1938 ausgesiedelt.

Ursprünglich erlernte er den Beruf des Kaufmanns, musste aber während des Zweiten Weltkrieges einrücken. Lehr war an der russischen Front, später in Frankreich und Nordafrika. Dort geriet er in Gefangenschaft der Alliierten und war für drei Jahre Kriegsgefangener in Nebraska. 1946 durfte Lehr schließlich zurück in die Heimat und siedelte sich in Echsenbach an, wo er das Gasthaus des Onkels übernahm.

Der Rest der Geschichte ist bekannt. „Nachdem er so viele Jahre im Ausland war, hatte er immer schon eine große Weltoffenheit“, erzählt Sohn Bernhard. So ist vielen Echsenbachern sicher noch der Wurlitzer im Gasthaus Lehr in guter Erinnerung. Franz Lehr war einer der ersten Wirte in den 1950er- Jahren, der hierzulande eine solche Jukebox aufstellten.

Auch außerhalb des Berufs war er in zahlreichen Vereinen engagiert. Bei der Echsenbacher Feuerwehr war er Kommandant und im Abschnitt Brandinspektor. Bekannt ist Lehr zudem als Obmann des Vereins „Freunde der alten Heimat“, bestehend aus Aussiedlern des TÜPl. Er organisierte Zusammenkünfte und Veranstaltungen im ehemaligen Döllersheim. Heute hat Sohn Bernhard Lehr diese Obmann-Funktion inne. Nachkommen hat Franz Lehr mittlerweile auch einige: Fünf Kinder, acht Enkel und sechs Urenkel sind es aktuell.

Mit der NÖN verbindet der frischgebackene 100-Jährige übrigens auch etwas: Franz Lehr ist Leser der ersten Stunde und liest die Zeitung noch heute. Auch die NÖN gratuliert ihrem treuen Leser herzlich zum runden Geburtstag.