Zinner: „Blicken positiv in die Zukunft“. Waldland-Geschäftsführer Gerhard Zinner über Auswirkungen von Corona & Klimawandel und wo er 2021 zulegen möchte.

Von Markus Füxl. Erstellt am 10. Februar 2021 (03:54)
Waldland-Geschäftsführer Gerhard Zinner blickt optimistisch in die Zukunft. Der Betrieb konnte Einbußen in der Gastronomie abfedern. Frühere Investitionen in Geflügel und Fisch machen sich im aktuellen Trend zu mehr Regionalität jetzt bezahlbar.
BiancaHochenauer

Wie hat Corona das Geschäftsjahr 2020 bei Waldland beeinträchtigt?

Gerhard Zinner: Glücklicherweise nicht extrem. Wir mussten natürlich interne Abläufe umstellen. Nachdem unsere Produktion im Pharma- und Lebensmittelbereich systemerhaltend ist, hatten wir hier kaum Einbußen beim Umsatz. Wir lieferten vor Corona viel für die Gastronomie zu, das hat in Richtung Lebensmittel-Einzelhandel umgeschwenkt.

Was waren Ihre ersten Gedanken, als der erste Lockdown verkündet wurde?

Zinner: „Wo betrifft uns das und wie reagieren unsere Kunden?“ Nachdem wir etwa 80 Prozent unserer Produkte exportieren, hatten wir nach einem anfänglichen Stopp einige Probleme bei der Logistik. Speditionen hatten Angst, dass sie ihre Lkw und Fahrer nicht mehr zurückbekommen. Mittlerweile hat sich das aber eingeschliffen und wir können gut damit umgehen.

Welche Rolle spielt Corona aktuell in Ihrem Unternehmen?

Zinner: Außer bei den internen Abläufen merken wir keine großen Einschränkungen. Natürlich kann es ab und zu eine Kontaktperson geben. Wir haben unseren Betrieb entsprechend in Schichten aufgeteilt, damit das System nicht ins Stocken gerät.

Das Firmenareal von Waldland in Oberwaltenreith von oben.
Schewig Fotodesign

Die Schichtarbeit, Hygiene und Vorsichtsmaßnahmen müssen wir weiter im Auge behalten.

War oder ist Kurzarbeit ein Thema?

Zinner: Beim Lockdown hatten wir Mitarbeiter im Catering-Bereich in Kurzarbeit. Alle anderen Abteilungen konnten im normalen Umfang weiterarbeiten. Wir hatten 2020 teilweise aufgrund des Niederschlages gute Erträge und Produktionszahlen. Insgesamt haben wir unser Team um elf Personen aufgestockt und über das ganze Jahr verteilt 45 Praktikantinnen und Praktikanten beschäftigt.

Mit der Pandemie ist auch das Thema Gesundheit ins Bewusstsein der breiten Bevölkerung gerückt. Bei Waldland setzt man mit dem Anbau von Pflanzen für die Pharmaindustrie auf diesen Bereich – welche Rolle spielt das Thema für Sie?

Zinner: Es geht vor allem darum, wo das Wirkungsspektrum liegt: Alles, was in Richtung Immunstärkung geht, erlebt seit Herbst einen Hype. Im Erkältungsbereich ist die Nachfrage vergleichsweise verhaltener – durch die vielen Vorsichtsmaßnahmen stagniert der Markt. Wir sind generell aber zufrieden und hatten eine positive Entwicklung. Wir können nicht jammern.

Wie verändert der fortschreitende Klimawandel die Arbeit im Pflanzenbereich?

Zinner: Wir experimentieren mit Kulturen, die wir bereits im Herbst anbauen und nicht erst im Frühjahr. Die Pflanzen, die den Winter überdauern, kultivieren wir weiter. Der Vorteil ist, dass man die Feuchtigkeit im Winter nutzen und um einige Wochen früher ernten kann.

Bei welchen Pflanzen setzt man auf diese Taktik?

Zinner: Wir bauen etwa die Mariendistel und auch Mohn im Herbst an. Ein Problem für viele Pflanzen ist der Hitzestress: Über 30 Grad findet dann kein Wachstum mehr statt. Normalerweise haben wir im Bezirk Horn ein anderes Klima als in Zwettl und ernten dort mit ein bis zwei Wochen Unterschied. Durch die Erwärmung gleicht sich das langsam an.

Welche Projekte konnten 2020 trotz Corona umgesetzt werden?

Zinner: Wir haben insgesamt 6,3 Millionen Euro investiert. Damit bewegen wir uns im Rahmen der vergangenen Jahre. Der Großteil ging in neue Produktionsanlagen, ein Teil floss in den Ausbau der Lager. Viele Produkte, wie trockene Kräuter, sind entsprechend voluminös und brauchen Platz. Dieser Investitionsbereich zwischen vier und sechs Millionen Euro pro Jahr wird sich auch 2021 fortsetzen. Ein großes Projekt ist der Ausbau der Ölverarbeitung in Kautzen. Ich gehe davon aus, dass wir im März in den Probebetrieb gehen werden. Ursprünglich hatten wir das für Jänner geplant, der Verzug ist Corona geschuldet. Das ist ein negativer Aspekt des Virus: Viele Dinge gehen langsamer, der Markt fordert aber weiterhin die selbe Geschwindigkeit. Das ist eine Herausforderung.

Wo zeigt sich diese Entwicklung zum Beispiel noch?

Zinner: Das beginnt bei behördlichen Terminen und geht bei eingeschränkten Liefermöglichkeiten weiter, weil die Firmen auf Kurzarbeit fahren. Auch wir hatten vor kurzem Pech: Wir haben eine Pumpe aus Großbritannien bestellt und hatten gleich drei Wochen Verspätung. Ob die dortige Coronasituation oder der Brexit Schuld ist, kann ich nicht sagen. Da fehlt nur ein kleines Teil, das im Zuge der Globalisierung und Spezialisierung nur mehr dort produziert wird und schon verzögert sich eine Inbetriebnahme um mehrere Wochen.

Was ist für 2021 geplant, wie geht es bei Waldland weiter?

Zinner: Ein Bereich, der sich bereits 2020 gut entwickelt hat, waren die regionalen Lebensmittel. Das war bisher ein Aushängeschild von uns und dem wollen wir uns verstärkt widmen. Glücklicherweise haben wir bereits 2019 kräftig investiert: Mit unserer Anlage haben wir 2020 über 400 Tonnen Fisch und Geflügel verarbeitet. Ich gehe davon aus, dass sich das 2021 um 25 Prozent steigern wird. Die Bestellungen für Ostern im Geflügelbereich sind in einer Dimension vorhanden, die wir noch nicht hatten. Ein weiteres Thema ist heuer die Ölverarbeitung, hier werden wir bei der Produktion um mindestens 35 Prozent zulegen. Außerdem haben wir den Blütenstaubbereich verstärkt in der Schublade, das wird sich um 25 Prozent erhöhen. Wenn es das Jahr klimatisch hergibt, blicken wir optimistisch in die Zukunft. Wir machen das jetzt schon seit 35 Jahren und bemühen uns, dass das weiter gut über die Bühne geht.

Themenschwenk zum Abschluss: Wie bewerten Sie als Waldviertler die Abkehr des Landes von der Idee einer „Waldviertel-Autobahn“, hin zum präsentierten Mobilitätspaket?

Zinner: Das hängt davon ab, wie schnell und in welcher Form das Paket umgesetzt wird. Ich finde es in Ordnung. Vor dem Ausbau von Krems nach Gföhl waren damals selten Autos mit Gmünder und Waidhofener Kennzeichen unterwegs. Gute Verkehrsverbindungen ziehen auch Verkehr an. Wichtig ist ein schneller Ausbau über Horn nach Gmünd, in Richtung Freistadt und in den Süden nach Pöchlarn. Wenn der Ausbau in alle vier Himmelsrichtungen auf dem Level wie zwischen Krems und Gföhl gelingt, bin ich dafür. Bei der Bahn ist der Güterverkehr für Klein- und Mittelbetriebe nur schwer umsetzbar, da fehlt die Infrastruktur. Wir haben es einige Male selbst versucht, aber das ist nicht einfach. Da müsste man das System generell hinterfragen.