Adventkranz: Tradition mit Strahlkraft. Abt Thomas Renner erklärt die Herkunft des Adventkranzes, der auch heuer nicht fehlen darf. Gärtnereien bieten im Waldviertel auch Lieferservices an.

Von Sebastian Dangl und Karin Pollak. Erstellt am 26. November 2020 (08:56)
Auch der Landesinnungsmeister der Gärtner und Floristen Thomas Kaltenböck liefert, wie viele seiner Kollegen, Adventkränze und Co auf Kundenwunsch gerne kontaktlos aus.
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Der Advent wäre nicht komplett ohne einen gebührenden Kranz. Das Anzünden der Kerzen im Wochenrhythmus ist in vielen Haushalten eine nicht wegzudenkende Tradition. Im Vergleich zu anderen weihnachtlichen Bräuchen ist die, des Adventkranzes, doch jünger als man glauben mag und lässt sich sogar zu einer Person zurückverfolgen. Der Abt des Stiftes Altenburg, Thomas Renner klärt auf.

Eine Tradition aus dem Evangelischen. „Der Adventkranz kommt eigentlich von der evangelischen Kirche aus dem Raum Hamburg“, erklärt Renner. Nicht einmal 200 Jahre soll es her sein, dass der evangelische Pfarrer Johann Hinrich Wichern dort den Adventskranz erfunden haben soll. Er leitete damals ein Heim für bedürftige Kinder, das „Rauhe Haus“. Um den ungeduldigen Kindern die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen, kam ihm die Idee. Er befestigte Kerzen auf einem alten Kutschenrad.

Anders als heute waren auf dem „Prototyp“ des Adventkranzes noch 24 Kerzen für jeden Tag des Advents. Täglich wurde eine neue Kerze angezündet und die Kinder konnten abzählen, wie viele Tage noch bleiben. Später wurde der Kranz auch noch mit Tannenzweigen geschmückt und aus Platzgründen auf vier Kerzen geschrumpft. Die Tradition war geboren. „Von Norddeutschland aus verbreitete sich der Brauch bis nach Österreich“, berichtet Renner. Den Kranz mit 24 Kerzen gibt es in Deutschland übrigens auch heute teilweise noch.

Das Symbol des Kreises . Der Adventkranz ist keineswegs nur ein Dekoobjekt. Zahlreiche Symbole mit einer tiefen spirituellen Bedeutung finden sich darauf. Das beginnt schon mit seiner runden Form. „Der Kreis ist ein Symbol für die Ewigkeit“, erklärt der Abt. Zudem stehen die grünen Zweige für das Leben, das auch den Winter überdauert. Herzstück eines jeden Kranzes sind natürlich die Kerzen. „Sie stehen für Jesus Christus. Je mehr Kerzen brennen, desto heller wir unser Leben“, sagt Renner. Im Ganzen gilt der Adventkranz als ein Symbol der Hoffnung. In gewisser Weise kann er zudem auch als eine Uhr für den Advent betrachtet werden.

Gefragtes Gut vor Lockdown. Am Montag vor dem Lockdown spürten einige Geschäfte, die Adventkränze verkaufen, einen sprunghaften Anstieg der Kundenzahlen. Dass man keinen Adventkranz mehr bekommt, sollte aber nicht passieren. Gartenbaubetriebe dürfen als landwirtschaftliche Betriebe weiterhin geöffnet bleiben. Nur reine Verkaufsläden müssen zusperren. Selbst wenn das Geschäft geschlossen ist, liefern die meisten immer noch aus. Auch Melani Kausl‘s Gänseblümchen in Grafenschlag musste zusperren. Lieferungen sind weiterhin möglich. „Es ist leider nicht der selbe Umsatz, wie mit einem geöffneten Geschäft, die Bestellungen helfen aber“, berichtet Kausl. Weiterhin geöffnet hat die Gärtnerei von Siegfried Tutschek in Eggenburg. „Man merkt gerade die Unsicherheit der Menschen. Manche gehen sogar zu den Diskontern, weil sie gar nicht wissen, dass die Gärtnereien eh offen sind“, meint er.

Besinnliche Vorweihnachtszeit auch heuer gesichert. Viele Fachgeschäfte bieten eine kontaktlose Lieferung an. Somit brauche niemand auf eine besinnliche Adventzeit 2020 mit vorweihnachtlichen Stimmungsmachern verzichten, betont der aus Gmünd kommende Landesinnungsmeister Thomas Kaltenböck mit eigenem Floristenfachgeschäft: „Unsere Blumenfachgeschäfte nehmen Bestellungen per Telefon oder Mail entgegen und stellen kontaktlos zu. Individuelle florale Wünsche werden handgefertigt und garantieren dank der Qualitätsprodukte lang andauernde Freude. Damit wird die heuer besonders herausfordernde Vorweihnachtszeit zu etwas ganz Besonderem.“

Länger frisch mit diesen Tricks. Adventkränze gibt es mittlerweile fix und fertig bei fast jedem Gartenbaubetrieb zu kaufen, können aber natürlich auch selbst gebastelt werden. Eines der größten Probleme mit den Kränzen ist der vorzeitige Verlust der Nadeln. Stefanie Bauer-Polt von der Baumschule Polt in Merkengersch hat ein paar Tipps parat, damit der Adventkranz auch wirklich bis zum Heiligen Abend hält. So sollte man beim Abschneiden der Tannenzweige auf die richtige Mondphase achten. Generell gilt: Wenn man Zweige bei zunehmendem Mond schneidet (idealerweise bei Vollmond), bleiben sie länger frisch und die Nadeln fallen nicht so schnell ab.

„Noch viel wichtiger ist aber die Lagerung. Der Adventkranz braucht es kühl“, erklärt Bauer-Polt. Bei den Materialien setzt sie ganz klassisch auf Natürliches. „Tannenzapfen, Hagebutten oder Wildfrüchte, man kann fast alles nehmen, was die Natur so bietet.“ Egal, wofür man sich entscheidet, am Ende verschönert jeder Kranz den Advent.