Boom bei Haustieren sorgt für überfüllte Tierheime. Überforderung und unüberlegte Anschaffungen von Haustieren bringen manche Tierheime an die Belastungsgrenze. Im Waldviertel bleibt die Lage recht entspannt.

Von Sebastian Dangl und Johannes Mayerhofer. Erstellt am 03. Februar 2021 (04:17)
Die auf Nagetiere spezialisierte Tierpflegerin Anikó Peter kümmert sich im Kremser Tierheim um Kaninchen.
Johannes Mayerhofer

Einfach so nebenbei ein neues Haustier anschaffen, sei es gegen die Einsamkeit oder gar aus Langeweile. Dieser Trend ist in Corona-Zeiten verstärkt bemerkbar geworden. Vorsicht ist aber geboten, denn nicht jeder kommt mit dem Zeit- und Kostenaufwand eines Hundes klar. Das merken dann auch die Tierheime in Gastern (Bezirk Waidhofen) und Krems. Welche Auswirkungen hat die aktuelle Coronakrise bei ihnen?

Zumindest im Gasterner Tierheim Schlosser ist die Pandemie bisher nur bedingt angekommen. „Wir sind eigentlich ganz gut ausgelastet, aber nicht überfüllt. Schön langsam wird die Anzahl der Tiere aber größer“, berichtet Obmann Erwin Schlosser. Kapazitäten sind aber noch vorhanden.

Keine Veränderungen im Gasterner Tierheim

Dass seit der Pandemiesituation signifikant mehr Tiere abgegeben werden, kann Schlosser nicht bestätigen. „Es hat sich nicht wirklich etwas verändert. Die Zahlen sind relativ gleichgeblieben.“ Auch an den Gründen, warum Tiere ins Tierheim verfrachtet werden, hat die Pandemie nichts Neues ans Tageslicht gebracht. Laut Schlosser sind diese immer noch fast zu viele, um sie alle aufzuzählen. Oft würden auch der Zeitaufwand und die Kosten eines Haustieres unterschätzt werden.

All das führte zu den vielen Tieren ohne Besitzer, die aktuell im Tierheim in Gastern untergebracht sind. Auch während des Lockdowns ist der Besuch zum Anschauen der Tiere erlaubt, allerdings nur mit telefonischer Voranmeldung. Regelmäßigen Besuch würde es auch weiterhin von den „Gassigehern“ geben. „Leute können sich einen Hund holen und ein bis zwei Stunden mit diesem spazieren gehen, ganz ohne Verpflichtungen“, erklärt Schlosser. „Man merkt schon, dass wegen dem Lockdown einige Menschen gerade deswegen zu uns kommen. Sie gehen dann einfach mal eine entspannte Runde mit dem Hund, bevor ihnen daheim die Decke auf den Kopf fällt“, schildert er.

Trotzdem sei das grundsätzliche Interesse nicht wirklich gestiegen. „Merklich gesunken ist dagegen die Spendenbereitschaft. Ich nage jetzt nicht am Hungertuch, aber wenn es noch lange so weitergeht, kann es knapp werden“, betont der Obmann des Tierheimes. Fixkosten würde man nicht abstellen können. Auf Förderungen des Landes oder der Gemeinden kann Schlosser nicht hoffen. „Ich muss mit den Spenden und dem, was ich selbst erwirtschafte, auskommen.“

Anders als in Gastern hat das Tierheim Krems den Haustierboom deutlich zu spüren bekommen. „Wir haben mit Beginn des ersten Lockdowns einen gewaltigen Anstieg der Zahlen von Anfragen von Leuten erlebt, die sich ein Tier zulegen wollen“, erzählt Nina-Maria Zinn-Zinnenburg, die Obfrau des Kremser Tierschutzverbandes. Gleichzeitig habe es in diesen März- und Aprilwochen keinen einzigen Menschen gegeben, der ein Tier abgeben wollte. Die Zahl der Anfragen habe sich fast im Gleichklang mit dem Wechselbad aus Lockdowns und Lockerungen wellenartig mitbewegt. uch in „normalen Zeiten“ appelliert die Tierheim-Chefin an alle Interessenten, sich die Anschaffung eines Tieres gut zu überlegen und sich die Frage zu stellen, ob, und wenn, welches Tier in den eigenen Lebensalltag passen würde.

Zwar nicht regelmäßig, jedoch immer wieder, sei es auch zu kuriosen Anfragen gekommen. „Wir erlebten einige Male, dass Interessenten zu uns kamen, die dachten, sie könnten sich ein Tier quasi ,mieten‘.“ Das habe man seitens des Tierheimes „dankend abgelehnt“. Das Tier habe eine Seele und gewöhne sich an die neue Umgebung, wisse dabei nicht, dass es bald wieder zurückgegeben wird. Ein weiterer Aspekt: Durch die zeitweiligen Grenzschließungen sei der Ankauf von Tieren aus dem Ausland erschwert worden.

Spendenbereitschaft in Krems nicht gelitten

Die restriktive Pandemie-Politik führte teilweise dazu, dass das Tierheim Krems sich auf Kernaufgaben beschränken musste. Feste und Flohmärkte konnten nicht stattfinden. Damit verbunden sei natürlich ein Wegfall der Einnahmen. Die allgemeine Spendenbereitschaft der Bevölkerung habe aber auch im Ausnahmejahr nicht gelitten. Zahlreiche Kleinspenden und auch Überweisungen von Tier-Paten liefen weiter. Subventionen decken etwa die Hälfte der Ausgaben des Tierheimes ab.

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