Olympische Spiele: Medaillen-Erfolge versprechen Gutes. Nach den bisher für Österreich sehr erfreulichen Spielen in Tokio hoffen auch die Waldviertler Sportvereine auf einen Aufschwung.

Von Sebastian Dangl und Anna Hohenbichler. Erstellt am 04. August 2021 (04:18)
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Die Zwettler „Kosmopiloten“ hoffen mit der Goldmedaille für Anna Kiesenhofer auf einen Aufschwung des Radsports.
privat

Der österreichische Sport hat wieder Grund zum Jubeln. Nach der Nullnummer von Rio 2016 gingen bei den bisherigen Olympischen Spielen schon mehrere Medaillen nach Österreich. Die NÖN hat nachgefragt, ob die heimischen Sportvereine vom Rampenlicht auf Sportarten wie Radfahren oder Judo profitieren können.

Gute Leistung, gepaart mit der richtigen Taktik. Als größte österreichische Sensation der Olympischen Spiele in Tokio gilt bisher der Sieg von Anna Kiesenhofer im Rad-Straßenrennen. „Sie hat eine wirklich gute Leistung, gepaart mit der richtigen Taktik, gezeigt. Ein bisschen Glück gehörte aber auch dazu“, meint Michael Bernhard, der Obmann des Zwettler Radsportvereins „Kosmopiloten“. Einen positiven Effekt auf den heimischen Radsport hält er für möglich.

„Ich hoffe zumindest, dass das Interesse am Radfahren jetzt steigt. Vielleicht sorgt Anna Kiesenhofer aber auch für einen Anstieg an Mathematikstudenten“, witzelt Bernhard. Wirklich viele neue Mitglieder kamen in Pandemiezeiten nicht zum Verein, doch generelles Interesse am Radsport sei schon seit einigen Jahren sowieso recht hoch, auch bei der Jugend. Aktuell haben die „Kosmopiloten“ um die 225 Mitglieder.

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Beim Union Judoclub VHS Horn-Gars ist die Freude über die Olympiamedaillen groß.
Union Judoclub VHS Horn-Gars

Radfahren, ein Sport wie jeder andere auch. Eine eigene Kindergruppe gibt es auch. „Manche treffen sich dazu auch einfach so zum Radfahren, wie man eben auch nach der Schule auf den Fußballplatz geht“, berichtet Bernhard. Bei der wöchentlichen Ausfahrt würden an guten Tagen bis zu 20 Kinder mitmachen. Beim Zwettler Ferienspiel waren ebenfalls etwa 25 junge Radler mit dabei. „Die Radbegeisterung ist auf jeden Fall vorhanden, und das, obwohl der Sport nicht gerade günstig ist“, betont Bernhard. Gerade bei der Anschaffung von Kinderrennrädern seien Eltern oft zögerlich. Für Kinder im Wachstum wird das Rad schließlich schnell zu klein.

Genau deshalb will der Verein jetzt auch zwei gebrauchte Rennräder für Kinder ankaufen. „Wir planen, rund 1.500 Euro dafür auszugeben. Die Räder können dann wochen- oder tagweise ausgeborgt werden“, erzählt Bernhard. Definitiv keine schlechte Idee, um die Einstiegshürde für junge Radprofis zu erleichtern.

Einzige Radbahn Österreichs wird abgerissen. Während der Olympiaerfolg für gute Stimmung im österreichischen Radsport sorgt, gibt es doch auch Unstimmigkeiten, die laut Bernhard im Vergleich kaum Erwähnung finden. So wird gerade jetzt die einzige Radbahn in Österreich abgerissen. Diese befindet sich im Wiener Ferry-Dusika-Stadion. „Mich besorgt das ein bisschen. Die Bahn ist natürlich nicht mehr die modernste, und das Bahnfahren ist in Österreich noch exotischer als das Straßenfahren. Dennoch wird da jetzt ein Teil des Radsportes in Österreich gestrichen“, kritisiert Bernhard. Vor rund zehn Jahren trainierten auch noch „Kosmopiloten“ auf jener Bahn. Vor allem im Winter sei das eine gute Alternative gewesen. „So bleiben halt wirklich nur mehr die Straße und das Gelände.“

Erster Wettkampf im September. Für die „Kosmopiloten“ geht es jetzt nach Lockdowns und Coronapausen mit viel Schwung weiter. Auch Rennen sind geplant. Am 11. September wird ein Zeitfahren von Bärnkopf nach Zwettl veranstaltet. Im Minutentakt werden die Teilnehmer in Zweierteams losgeschickt. „Es ist eine schöne und flotte Strecke, auf der es relativ viel bergab geht“, berichtet Bernhard.

Judokas feierin gleich zwei Medaillen. Grund zum Feiern hat auch der österreichische Judo-Sport. Die Bronzemedaille von Shamil Borchashvili und die Silberne von Michale Polleres freut Bernhard Eichwalder vom Union Judoclub VHS Horn-Gars ganz besonders. „Es war eine beeindruckende Leistung der beiden. Wir hoffen jetzt natürlich, dass diese Medaillen einen Aufschwung für das österreichische Judo bringen“, erklärt er.

Bringen die Medaillen wirklich einen Aufschwung? Eichwalder ist überzeugt, dass die jüngsten Olympia-Erfolge einen Einfluss auf die Jugend haben werden. „Wir werden dann im September sehen, ob das Interesse der Kinder am Judo steigen wird.“ Es bleibt also zu hoffen, dass die Erfolge wieder einen Positivtrend einläuten. Gerade für die Rekrutierung des Nachwuchses wurde Corona zum besonderen Spielverderber. „Als Kontaktsportart ist Judo nicht gerade die pandemiefreundlichste Sportart“, schildert Eichwalder.

Training wieder relativ uneingeschränkt. Seit Mai ist das Training wieder relativ uneingeschränkt möglich. Konzepte zur Risikominimierung gibt es trotzdem. Zuvor gab es auch vereinzelt Trainings, aber nur im Freien und ohne Kontakt. Mit dem aktuellen Status quo hat man es als Kampfsportler dann doch leichter. „Hoffentlich können wir jetzt so lange es geht weitermachen“, sagt Eichwalder.

Randsportarten im Fokus. Dass Randsportarten durch die Olympischen Spiele wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen, glaubt auch Reinhard Poppinger, der Obmann des SC Zwickl Zwettl. Die bisherigen Lauftrainings seien allerdings noch recht ruhig verlaufen. „Wenn um die zehn Leute kommen, ist das aber schon in Ordnung“, meint er. Aktuell wird für den Kamptallauf am 7. August trainiert.

Großer Wert wird natürlich auch auf die Jugend gelegt. 2018 wurde eine eigene Nachwuchssparte ins Leben gerufen. Durch Corona wurde dieses Vorhaben aber recht eingebremst. „Zwischen dem Lockdown und den Sommerferien war uns ein erneuter Trainingsbeginn zu kurzfristig. Mit dem Schulstart wollen wir dann aber schon wieder die gewohnten Trainings aufnehmen“, schildert Poppinger. Die jungen Mitglieder seien jedenfalls höchst motiviert. Selber verfolgt Poppinger die Spiele nur am Rande. „Man muss schon sehr euphorisch sein, wenn man sich für zwei Uhr den Wecker stellt. Da schaue ich dann doch lieber die Zusammenfassung am Nachmittag.“

Vorbilder kommen auch aus eigenem Verein. Auch Nachwuchsleiter Franz Mürwald vom LT Gmünd verfolgt manche Olympia-Bewerbe über das Fernsehen mit. Dass sie zu einem gesteigerten Interesse an der Leichtathletik beitragen, glaubt er aber nicht. „Vielmehr ist das im Nachwuchsbereich von den Eltern abhängig“, sagt Mürwald: „Wenn sie sich dafür interessieren und die Kinder zum Training bringen, ist der Nachwuchs da. Wenn sich die Eltern nicht dafür interessieren, bleiben die Kinder auf der Strecke. Und das ist traurig.“ Er spricht von 40 bis 45 Kindern, die aktuell bei ihm trainieren – nicht nur aus dem Gmünder Bezirk, sondern auch aus Zwettl und Waidhofen und manchmal darüber hinaus.

Was andere Jungsportler motiviert, sind weniger die Großereignisse als erfolgreiche Sportler aus dem eigenen Verein. Manuel Weissensteiner habe etwa einen seiner momentan besten Schützlinge – nämlich Lorenz Weber – angespornt, erzählt Franz Mürwald: „Ich bin stolz darauf, dass aus so einem kleinen Verein immer wieder gute und erfolgreiche Sportler hervorgehen.“

UBBC Gmünd hofft auf Jungbasketballer nach Sommercamp. Auf eine positive Resonanz des Sommercamps hofft UBBC Gmünd-Manager Franz Chwatal. Die Basketballer freuen sich heuer über rund 120 Anmeldungen. „Wir hoffen, dass nach dem Sommercamp viele dabei bleiben oder vielleicht auch noch andere Kinder motivieren können“, sagt er. Diese direkte Verbindung zwischen Verein und Jugend habe deutlich mehr Einfluss auf die Nachwuchsarbeit als Großereignisse wie Olympia. „Ich denke aber, dass manche Randsportarten davon profitieren.“ Bleibt also nur abzuwarten, welche Wellen die Ausnahmeleistungen bei den Spielen in Tokio noch schlagen werden.

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