Rinderzucht: Viele Tiere, aber wenige Käufer. Der Markt liegt durch die Coronakrise und die Ölkrise darnieder. Die Preise sind im Keller.

Von Christian Eplinger und Martina Hofer. Erstellt am 09. April 2020 (12:30)
Symbolbild
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Es herrscht gespenstische Stille in der Berglandhalle des NÖ Rinderzuchtverbandes. Praktisch keine Tiere und nur drei Mitarbeiter sind vor Ort. „Aktuell stehen in unserem Stall 60 Kalbinnen in Quarantäne, die nach Kasachstan gehen sollten. Durch die dortige Ölkrise weiß der Käufer aber nicht, ob er sie auch bezahlen kann“, schildert Karl Zottl, der Geschäftsführer des NÖ Rinderzuchtverbandes, im NÖN-Gespräch.

Denn neben Corona hat der Rinderzuchtverband eben auch mit der Ölkrise zu kämpfen. „Das trifft uns doppelt, auch wenn es für die heimische Wirtschaft günstiger wird. Aber viele Kunden von uns in Russland, Aserbaidschan, Kasachstan, Algerien oder dem Iran finanzieren ihre Zuchtrinderimporte und den Aufbau ihrer Landwirtschaft mit den Einnahmen aus dem Ölgeschäft“, weiß Zottl. Hinzu kommt, dass die wichtigen Absatzmärkte in Westeuropa, wie Italien oder Spanien, derzeit nicht erreichbar sind.

Und der Markt in Österreich ist ebenfalls stark eingebrochen „Rind- und Kalbfleisch werden vor allem in der Systemgastronomie wie McDonalds oder in der Gastronomie eingesetzt – und hier vor allem auch in Tourismuszentren wie Wien. Tafelspitz oder Kalbschnitzel sind nach wie vor die Renner bei den Touristen. Aber da praktisch alle Lokale geschlossen haben, gibt es auch da wenig Bedarf. Damit ist der Preis im Keller“, sagt Zottl.

Großvieh-Versteigerung kann nicht stattfinden

Der Nutzkälbermarkt in der Markthalle Zwettl am 31. März fand unter strenger Einhaltung der Sanitätsauflagen statt. „Die Bauern haben weniger Tiere angeliefert“, so Zottl. „Käufer hatten keinen Zutritt zu den Ställen, und auf den Rängen wurde auf die Einhaltung des Sicherheits-Abstandes geachtet.“ Die geplante Großviehversteigerung am 15. April kann aber nicht stattfinden. „Zuchtvieh fällt nicht unter die Lebensmittelbestimmungen. Interessenten können sich telefonisch bei uns melden. Wir helfen bei der Vermittlung von Zuchttieren.“

Positiv sei, dass die Tiertransporte Richtung Osten nach wie vor möglich sind. Tiertransporter werden an der Grenze bevorzugt behandelt, zum Teil sogar über Nebenstraßen durchgeschleust, und durch den geringeren Verkehr sind die Transportzeiten kürzer als normal.