Langschläger will Leben von KZ-Opfer erforschen. Wie kam Josef Völk vom Langschlägerwald nach Vorarlberg und schließlich ins Konzentrationslager? Dieser Frage will Markus Holzweber in einem Forschungsprojekt nachgehen.

Von Angelika Koll. Erstellt am 26. Juli 2021 (10:48)
New Image
Markus Holzweber will mehr über das Leben von Josef Völk herausfinden.
Usercontent, privat

Bei seiner Suche in einer Datenbank, die Infos über Opfer der NS-Zeit enthält, stieß Holzweber, der selbst aus der Gemeinde Langschlag stammt, auf die Person von Josef Völk, der am 7. August 1908 in Langschlägerwald geboren wurde und später im KZ Mauthausen ums Leben kam. Viel mehr ist über ihn bisher nicht bekannt. Für Holzweber ein Anlass für weitere Nachforschungen. „Das gibt es nicht, dass man die Kriegshelden kennt, aber nichts weiß über jemanden, der im KZ gestorben ist“, erläutert er seine Motivation dahinter.

Das geschichtliche Interesse hat Holzweber nie losgelassen. Er absolvierte ein Lehramtsstudium für Geschichte und Religion und daraufhin ein Doktoratsstudium in Geschichte, bevor er, wie er sagt, „abgedriftet“ ist und nun auf der Uni Wien in der Organisation von Weiterbildung tätig ist. Markus Holzweber ist zudem seit 2008 Redaktionsleiter der Zeitschrift für Heimat- und Regionalkunde „Das Waldviertel“.

Vom Langschlägerwald nach Vorarlberg

Holzweber machte sich also daran, mehr über Josef Völk herauszufinden. „Ich habe diverse Archive abgeklappert und bin immer noch dabei“, berichtet er. Für die Forschung zu dem Projekt konnte er sich zudem eine Förderung des Zukunftsfonds der Republik Österreich sichern. Klar ist bisher, dass Josef Völk im Haus Nummer 4 in Langschlägerwald geboren ist. Sein Vater, Josef Völk Senior, war dort Bauer.

New Image
Die Schreibstubenkarte aus dem KZ Dachau von Josef Völk.
Usercontent, Arolsen Archives: Internationales Zentrum über NS-Opfer

Er stammte aus Altmelon Nr. 37. Am 15. Mai 1906 ehelichte der Vater in Langschlag die aus Komau Nr. 3 stammende Rosa Hinterreiter. Josef Völk hatte fünf Geschwister: Maria, Hermine, Karl, Hedwig und Hermann. Er war vermutlich Hilfsarbeiter und später ohne festen Wohnsitz. „Ich fand heraus, dass er in Vorarlberg aufgegriffen wurde“, erzählt Holzweber. Er dürfte wegen Einbruchs und Bettels verhaftet worden sein, büßte eine einmonatige Haftstrafe ab und wurde danach an die Kriminalpolizei Innsbruck überstellt.

„Warum er nach Vorarlberg gekommen ist, weiß ich nicht“, gibt der Projektleiter an. Es mach mit Flucht zu tun gehabt haben, oder womöglich war er auf Arbeitssuche.
„Er hatte in der damaligen NS-Zeit Pech“, meint Holzweber. Seine Arbeitslosigkeit, und dass er straffällig geworden war, dürften der Grund gewesen sein, warum Josef Völk im Konzentrationslager Dachau landete. Später kam er nach Mauthausen und starb dort nach wenigen Monaten am 16. Dezember 1939. „Josef Völk war kein Widerstandskämpfer.

Dazu gibt es keine Hinweise“, merkt Holzweber an. Zudem war er römisch-katholischen Glaubens, dennoch fiel er in eine Kategorie, die in der NS-Zeit verfolgt wurde.

Hinweise gesucht

Aus dem Langschlägerwald ist die Familie Völk mittlerweile verschwunden. „In Telefonbüchern habe ich einmal eine Schwester gefunden“, gibt Holzweber an. Diese habe nach Hirschbach geheiratet. Mittlerweile ist sie auch verstorben. Von einem Nachbar habe Holzmann jedoch ein altes Familienfoto erhalten können, das beim Ausräumen des Hauses aufgetaucht sei.

Darauf ist möglicherweise die Familie Völk abgebildet. „Das Ziel ist es, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen, sodass Josef Völk nicht nur eine Nummer bleibt, sondern seine Umstände beleuchtet werden“, erklärt Projektleiter Holzweber, der sich unter 0664/283 67 89 über jeglichen Hinweis zu dem im KZ Verstorbenen, beziehungsweise zur Familie Völk freut.