Ein Ehepaar auf großer Paddeltour. Weitraer Eheleute Helga Langer und Peter Bochnik bereiteten sich in Ottenstein auf ihre Reise nach Hamburg vor und dokumentierten die Stausee-Geschichte.

Von Karin Pollak. Erstellt am 14. November 2020 (05:02)
Helga Langer und Peter Bochnik auf ihrer „Twiga“ am Ottensteiner Stausee.
privat

Die Eheleute Helga Langer und Peter Bochnik sind begeisterte Abenteurer. Nach ihrer sieben Jahre dauernden Weltumseglung (die NÖN berichtete) starteten die 68-Jährige und ihr 72-jähriger Gatte das nächste Unternehmen. Sie wollen am Wasser- und Landweg von Weitra über Lainsitz, Moldau und Elbe nach Hamburg. Vorbereitet haben sie sich am Stausee Ottenstein.

Der Umstieg vom Segelboot auf den Trimaran, der auch wieder den Namen „Twiga“ (ist Suaheli und heißt Giraffe) erhalten hat, war nämlich nicht ganz so einfach. Mit diesem Boot kann sich das Ehepaar nämlich segelnd, paddelnd und auch tretend fortbewegen. Der Mittelteil des Bootes wiegt 50 Kilo, die Zusatzausrüstung samt Mast bringt dasselbe Gewicht auf die Waage.

„Perfektionisten schaffen es nie. Man muss ein begeisterter Dilettant sein.“ Peter Bochnik

Seit dem Vorjahr liegt die „Twiga“ also am Stausee und sooft es ging, wurde damit trainiert. „Dabei haben wir den See und die Landschaft wirklich lieben gelernt“, meint Helga Langer. Ihr Gatte Peter Bochnik wurde auf die Geschichte des Stausees neugierig, begann seine Recherchen und fasste diese nun in einem beeindruckenden Werk, das er mit vielen Fotos umrahmt hat, zusammen. „Die Geschichte beginnt im 12. Jahrhundert und ein großer Teil ist dem Truppenübungsplatz Allentsteig gewidmet“, gibt Bochnik bekannt.

Seine über zwanzig Seiten umfassenden Ausführungen stehen auf der Homepage www.twiganauten.com.

Dort gibt es jetzt auch eindrucksvolle Bilder und Geschichten über ihre erste Etappe am Weg nach Hamburg. „Über diese Tour gab es keine Informationen, wir mussten alles selber planen“, erzählt Helga Langer. „Man braucht nicht planen, sondern tun. Perfektionisten schaffen es nie. Man muss ein begeisterter Dilettant sein, dann geht es“, ist Gatte Bochnik überzeugt.

Und das bewiesen sich auch beim aktuellen Unternehmen, das die beiden einmal zu Fuß und per E-Bikes starteten und eine Woche entlang der Lainsitz geführt hat. „Von der Quelle in Karlstift bis zur Mündung der Lainsitz in die Moldau bei Týn nad Vltavou waren wir 200 Kilometer unterwegs. Am südlichen Ende des Orlikstausees ließen wir dann unseren Trimaran zu Wasser“, erklärt Bochnik. Das Auto wurde hier abgestellt und dann wurden 250 Kilometer mit dem Boot – meist tretend – zurückgelegt. Acht Tage brauchten sie bis zur Deutschen Grenze.

Dabei erlebten sie vor allem eine eindrucksvolle Landschaft, tolle Städte und freundliche Menschen. „Der Orlik-Stausee ist 60 Kilometer lang. Am oberen Teil gibt es keine Orte, keine Infrastruktur, nur Wasser und Natur. Erst ab dem Schloss Orlik wird es bunter.“ Faszinierend seien die zahlreichen Staustufen gewesen, die es bis Prag zu überwinden gab. „Eine war 93 Meter hoch. Mit einer Art Zahnradbahn wird man auf ein Drehteller gezogen. Von dort wird man an einem Seil wieder runtergelassen.“

Karikaturreifes Hoppala an der Staumauer

Wer dieses Ehepaar kennt, der weiß auch, dass es bei ihren Reisen das eine oder andere Hoppala gibt.

So auch dieses Mal: „Wir haben die Schleusung in der Mirejovice Schleuse übersehen. Unsere Twiga war schon mit dem Seil festgezurrt und auf einmal sank der Wasserspiegel so schnell, dass wir die Halteleine nicht mehr lösen konnten. Die Twiga hing plötzlich an der Wand der Staumauer. Wir konnten uns über eine Leiter retten“, erzählt Langer. „Das war wirklich karikaturreif“, kann das Ehepaar heute darüber lachen.

Peter Bochnik genoss die Fahrt durch Prag.
privat

Faszinierend sei Prag und auch Mělník gewesen, wo die Moldau in die Elbe mündet. Von dort paddelten sie bis Lovosice, wo das Ehepaar ihre erste Etappe beendete und im Zug nach Cervena (südlich von Tabor) fuhr. Zu Fuß ging es nach Týn nad Vltavou. Mit dem Auto holten sie dann ihre Twiga, die nun wieder am Stausee auf die weitere Tour nach Hamburg wartet. „Das werden wir 2021 in Angriff nehmen. Die 700 Kilometer schaffen wir auch noch.“