Sallingberger ist am Weg zu den Sternen. Franz Haider (59) aus Sallingberg ist der erste österreichische Weltraumtourist.

Von Markus Füxl. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:10)
Der 59-jährige Franz Haider will nach ganz oben: Als erster österreichische Weltraumtourist wird er mit Virgin Galactic ins Weltall fliegen. Seinen maßgeschneiderten Raumanzug hat er bereits.
privat

Viele Menschen teilen den Traum vom Fliegen, Franz Haider will noch weiter hinaus: Der gebürtige Sallingberger zählt zu den ersten 100 „Weltraumtouristen“, die mit Virgin Galactic ins Weltall fliegen. Der Virgin-Chef Richard Branson flog am 11. Juli als erster aus dem Kreis der „Raumfahrtmilliardäre“ selbst ins Weltall. Amazon-Gründer Jeff Bezos wollte am 20. Juli (nach Redaktionsschluss, Anm.) nachziehen.

Die Begeisterung für das Weltall begleitet Haider bereits von Kindesbeinen an: Als Siebenjähriger sieht er live im Fernsehen die Apollo-11-Mission: „Damals hab ich zu meiner Mutter gesagt, dass ich Astronaut werden will“, erklärt der heute 59-Jährige im NÖN-Telefonat.

„Als Siebenjähriger war ich von der Apollo-11-Mission fasziniert und habe zu meiner Mutter gesagt: Ich werde Astronaut.“ Weltraumtourist Franz Haider

Bei einer Weltreise als 25-Jähriger nimmt die Idee Form an: „Wir waren am weitest entfernten Punkt von unserer Heimat angelangt. Mit einem Freund habe ich überlegt, wie das noch zu toppen ist. Da fiel uns nur noch eines ein: eine Reise ins Weltall oder zum Mond.“

Ticket kostete 150.000 Euro. 2007 erfährt Haider in einer Fernsehsendung von der Möglichkeit, Weltall-Reisen bei Virgin Galactic zu buchen. Er bekundet sein ernsthaftes Interesse beim österreichischen Vertragspartner. Drei Tage später findet ein erstes Treffen mit Infos zum Flug statt. Kurz darauf bucht Haider als erster österreichische Weltraumtourist sein Ticket zum Preis von knapp 150.000 Euro. Als Transportunternehmer verkauft er vor drei Jahren seine Firma und lebt seither als Privatier in Österreich und Florida.

Training mit bis zu 6 G. 2008 reist Haider zur Präsentation der ersten detaillierten Modelle des Raumschiffs SpaceShipTwo und des Trägerflugzeugs White KnightTwo. Außerdem absolviert der Sallingberger ein Zentrifugentraining im NASTAR Center in Philadelphia, wo auch Jetpiloten und Astronauten für die Beschleunigungskräfte trainiert werden: Einerseits wirken von oben vertikale Kräfte bis zu 3,5 G (also das dreieinhalbfache des eigenen Körpergewichts), durch die das Blut vom Kopf in den Körper und in die Beine gepresst wird. Bei den horizontalen Kräften von bis zu 6 G von vorne drückt es den Körper in den Sitz, wobei auch die Lunge mit dieser Kraft zusammengepresst wird.

2009 findet am Mojave-Air- & Spaceport in Kalifornien die Präsentation des Raumschiffs SpaceShipTwo statt. Mit dabei sind auch der Gouverneur Arnold Schwarzenegger und eine weitere Weltraumtouristin, Victoria Principal, bekannt als Pamela Ewing aus der Fernsehserie „Dallas“.

Genauer Starttermin noch nicht fix. Zwischendurch absolviert Haider einen Zero G-Flug – also ohne Schwerkraft – in Cape Canaveral. Vor zwei Jahren trifft sich Haider mit anderen Weltraumtouristen in Baltimore: Dort werden seine Maße genommen, um einen maßgeschneiderten Raumanzug zu nähen.

Dann heißt es: Warten. „Die vergangenen eineinhalb Jahre waren wegen Corona schwierig. Es gab bereits mehrere Testflüge, jetzt fand der erste offizielle Flug von Richard Branson statt“, erklärt Haider. Wann genau der Sallingberger an der Reihe ist, steht noch nicht fest: „Ob es noch ein dreiviertel Jahr oder zwei Jahre dauert, weiß ich nicht. Ich bin aber unter den ersten zehn Flügen.“

Dass er mittlerweile seit über einem Jahrzehnt auf seinen Flug wartet, stört ihn nicht: „Wenn ein Handwerker sagt, er braucht 14 Tage, werden es auch drei Wochen. Virgin Galactic hat Milliarden in dieses Projekt gesteckt. Da hat Sicherheit eben oberste Priorität.“ Dass es nicht mehr lange dauern wird, beweist ein Blick in Haiders Postfach: Vergangene Woche erhält er rund 20 Mails mit neuen Informationen zum Flug. „Ich absolviere aktuell ein tägliches Fitnessprogramm und achte auf meinen Körper. Es ist alles bestens, und ich bin fit für den Flug“, sagt Haider.

Nur wenige Minuten Schwerelosigkeit. Wie die Reise ins Weltall ablaufen wird, weiß Haider schon lange: Ein Trägerflugzeug wird eine Dreiviertelstunde lang 15 Kilometer in die Höhe fliegen. Dann klinkt das Raumschiff aus, die Raketen geben 90 Sekunden lang Schub. An der Grenze zum Weltall kann sich Haider abschnallen und einige Minuten die Schwerelosigkeit und den Ausblick genießen, bevor es mit Kräften bis zu 6 G beim Wiedereintritt in die Atmosphäre nach unten geht. Insgesamt dauert der gesamte Flug zwischen zwei und drei Stunden. Dem Gefühl, der erste österreichische Weltraumtourist zu sein, fiebert Haider schon heute entgegen: „Ich freue mich, wenn ich irgendwo ganz vorne mit dabei sein kann.“

Umfrage Zwettl

  • Tourismus ins Weltall: Würdet ihr mitfliegen?