Nitsch (60) hat nun Filiale und eröffnet eine Pension. 60-jähriger Nahversorger weitet sein Geschäftsfeld aus: Eines war lange geplant, das andere passierte eher zufällig.

Von Karin Pollak und Karin Widhalm. Erstellt am 21. Oktober 2020 (11:48)
Walter Nitsch will im November seine Frühstückspension eröffnen –und hat im Oktober ein Nahversorgungsgeschäft in Schwarzenau übernommen – mit Renate Steinmetz und Besitzerin Elisabeth Görlich.
Fritz Schiller

Walter Nitsch hatte in den letzten Wochen mehr zu tun als sonst: Er ist dabei, ein Gebäude in Windigsteig in eine Frühstückspension umzuwandeln. Und: Er hat ein Nahversorger-Geschäft in Schwarzenau (Bezirk Zwettl) übernommen, früher als ursprünglich geplant.

Eine wiederkehrende Frage als Auslöser

Nitsch führt seit 2018 ein Nahversorgungsgeschäft in Windigsteig und will mit einer Frühstückspension im ehemaligen Kaufhaus Glocker und mit einem E-Bike-Verleih einen neuen Weg als Unternehmer einschlagen. Das Gebäude hat er im Vorjahr erworben.

„Die Idee für die Frühstückspension kam mir in den Sinn, weil die Radfahrer jährlich mehr werden und in unserem Geschäft immer wieder nachgefragt wurde, ob es nicht Übernachtungsmöglichkeiten gibt.“ Windigsteig hat eine direkte Anbindung zum Thayarunde-Radweg.

Eröffnung im November geplant

Ein ebenerdiges „und so gut wie barrierefreies“ Zimmer ist im Erdgeschoß vorgesehen, die drei weiteren im ersten Stock. „Eines wird das Panoramazimmer, weil man durch die zwei Dachflächenfenster den Sternenhimmel betrachten kann“, schildert Nitsch. Dachterrasse, Frühstücksraum, die Lobby mit Rezeption und einen Küchenblock umfasst der Betrieb. Die Gäste bedienen sich selbst, das Frühstück liefert das nachbarschaftliche Nitsch-Geschäft.

Radfahrer, Außendienst-Mitarbeiter oder Freunde von Zweitwohnsitzen können hier eine Bleibe finden. „Ziel ist es, dass wir in der zweiten November-Hälfte eröffnen wollen. Wir machen kein großes Trara, sondern wollen einen sanften Start“, erläutert der baldige Pensionsbetreiber. „Wir sind im Grunde beim Finalisieren.“

Corona-Lockdown, Wassereintritt und ein Name

Der Zeitplan beim Umbau konnte nicht eingehalten werden: Der Corona-Lockdown führte dazu, dass die Baufirmen nicht kamen; dann hatte man nach einem Starkregen ereignis mit einem Wassereintritt zu kämpfen. „Mein Wunsch war, dass wir im Juni starten“, hat Nitsch viel Zeit verloren und musste in die Trocknung zusätzlich investieren. Die Öffnung ist jetzt aber nahe.

Eine Mitarbeiterin wird ihn unterstützen. „Wir haben schon im Vorfeld eine Übereinkunft mit einer zukünftigen Mitarbeiterin getroffen: Sie wird die Reinigung übernehmen und mittelfristig die Reservierungen entgegennehmen.“ Und: Der 60-Jährige hat auch schon einen Namen für seinen neuen Betrieb: „Zum Windrad“. Dies hat einen starken Bezug zum Ort, mit dem Windigsteiger Windhund als Wahrzeichen und der jährlichen Veranstaltung „Das Windrad dreht sich“.

Die Suche nach dem Regionalen

Nitsch bietet einen eigenen Serviceraum für Räder, verleiht auf Bitte der Marktgemeinde und des Vereins „Zukunftsraum Thayaland“ E-Bikes, deren Akkus bei ihm aufgeladen werden können. Eine Ladestation für E-Fahrzeuge ist vor dem Haus.

„Worauf wir besonderen Wert legen, ist die persönliche Betreuung. Wir wollen versuchen, dieses heimelige Gefühl zu vermitteln.“ Er beobachte, dass im Corona-Jahr die Hotels zwar viel verloren haben, die privaten Vermieter aber am wenigsten. „Die Gäste suchen wieder dieses Regionale und Persönliche“, ergänzt Nitsch. „Wenn jeder Gast mit einem Smiley rausgeht, dann haben wir gewonnen.“

Eine Filiale übernommen

Der gelernte Einzelhandelskaufmann hatte im Oktober arbeitstechnisch mehr zu tun als geplant: Die Übergabe der ehemaligen Bäckerei Görlich in Schwarzenau (Bezirk Zwettl) fand nicht erst im November statt. Der bisherige Betreiber Markus Hochleitner befindet sich bis 27. Oktober coronabedingt in Quarantäne.

„Daher habe ich mich entschlossen, das Geschäft gar nicht wieder zu öffnen“, erklärt Hochleitner, der „auf gar keinen Fall mehr selbstständig“ sein möchte. Nitsch hat kurzfristig am 6. Oktober übernommen.

Er hat Zeit seines Lebens den Gedanken getragen, selbstständig im direkten Kontakt mit Kunden werden zu wollen. Das hat er sich dann 2018 erfüllt.

„Eine Filiale habe ich überhaupt nicht am Schirm gehabt, aber Elisabeth Görlich hat mir diesen Floh ins Ohr gesetzt“, schildert er. „Da Schwarzenau keinen Nahversorger hat und wir mit einer Filiale den Standort in Windigsteig absichern können, habe ich zugesagt.“ Besitzerin Görlich ist mehr als froh darüber: „Ich bin jetzt sehr glücklich.“ Nitsch hofft, dass er mit den drei Säulen – zwei Geschäften, einer Pension – Krisen gut bewältigen kann.