Windpark Sallingberg: Protestmarsch im Wald. Naturschützer kritisieren Vorgehen gegen Schwarzstorch- und Adlerpopulation. Betreiber und Bürgermeister halten dagegen: "Genehmigungen liegen vor, Vogelschutz ist geplant."

Von Karin Pollak. Erstellt am 28. September 2020 (15:01)

Gegenwind weht dem Windenergieunternehmer Abensperg und Traun betreffend des bereits genehmigten Windparkes in Sallingberg entgegen. Wegen eines Schwarzstorch- und Adlervorkommens auf dem bereits gerodeten Windpark-Areales gingen Vertreter der IG Waldviertel auf die Barrikaden. „Dieses Projekt ist genehmigt“, heißt es seitens des Projektbetreibers, außerdem werden zum Schutz der Vögel über 12.000 Buchen gesetzt.

Kritik wegen Schwarzstorch-Vorkommens.

„Die Grundlagen für die vor vier Jahren erteilten Genehmigungen haben sich wesentlich verändert“, meint Michael Moser von der IG-Waldviertel und wirft dem Windenergieunternehmer vor, den Artenschutz zu ignorieren.

Das Schwarzstorch- und Adlervorkommen sei von Ornithologen eindeutig nachgewiesen, die Einwendungen bei den Bewilligungs- und Genehmigungsverfahren vor vier Jahren nicht berücksichtigt worden, so Mosers Kritikpunkte.

„Ungeachtet dessen hat der Windkraftbetreiber Abensperg und Traun sein Projekt mit umfangreichen Baumfällungen kurzfristig begonnen. Es wird spannend, wie das Land Niederösterreich darauf reagiert“, meint Michael Moser und fordert gemeinsam mit NGO’s und örtlichen Bürgerinitiativen einen sofortigen Projektstopp wie seinerzeit in Hainburg. „Der Zerstörung von intakter Natur und Landschaft sowie der Gefährdung geschützter Vogelarten darf nicht mehr länger zugeschaut werden.“

Nach dem nun erfolgten Protestmarsch im Wald kündigen die Naturschützer weitere Aktionen an.

Inbetriebnahme für 2021 in Aussicht

„Die Bauvorbereitungen laufen schon, die Rodungen sind abgeschlossen, die Hauptbauarbeiten folgen ab dem Frühjahr, die Inbetriebnahme der Windräder ist für den Sommer oder Herbst 2021 geplant“, erklärt Martin Krill, Projektleiter Windpark Sallingberg, der die aktuellen Proteste bedauert: „Leider ist ein sehr kleiner, lautstarker Kern von Gegnern inklusive Windparkgegnern aus ganz anderen Regionen gegen das wesentlichste Klima- und somit Naturschutzprojekt in den Gemeinden Sallingberg und Waldhausen – noch dazu unter dem Aufhänger des Naturschutzes. Alle Einwendungen und Kritikpunkte, auch betreffend Naturschutz, wurden schon in diversen Behördenverfahren mehrfach abgehandelt und alle zurückgewiesen“, erklärt Krill. Für ihn seien diese Behinderungen und das „Schlechtreden“ des für die Eigenversorgung des Waldviertels mit Öko-Strom wichtige Projektes ärgerlich.

Vogelschutz-Maßnahmen geplant

Für den Schutz der Vögel – speziell den Schwarzstorch — soll demnächst auch mit der Umsetzung von ökologischen Ausgleichsmaßnahmen begonnen werden. „Es werden zehn Hektar Fichten-Monokulturen in naturnahe Mischwälder umgewandelt. Dazu werden über 12.000 Buchen gesetzt.“ Als zusätzliche Naturschutz-Maßnahme werden vom Projekteigentümer auch ein halber Hektar Wald mit einem rund 250-jährigen Bestand an Buchenaltholz für den Naturschutz außer Nutzung gestellt.

„Im Projektgebiet des Windparks gibt es allerdings keine Schwarzstörche, die besonders geschützt werden könnten. Es handelt sich um einen seit Jahrhunderten wirtschaftlich intensiv genützten Wald, der durch die Windenergie nun eine Zusatznutzung erfährt“, zeigt Krill auf. Der Windpark wird den Stromverbrauch von über 11.000 Haushalten erzeugen und somit das Klima um 37.000 Tonnen CO2 jährlich entlasten. „Das ist wohl der wesentlichste Beitrag zum Arten- bzw. Vogelschutz. Außerdem ist eine einjährige vogelkundliche Untersuchung durchgeführt worden.“ Ein, wie von der IG Waldviertel geforderter, Projektstopp habe laut Krill, keinerlei Grundlage: „Es gibt rechtsgültige Bescheide.“

Bürgermeister: "Es ist alles genehmigt."

Für Bürgermeister Leopold Bock aus Sallingberg sind die aktuellen Proteste nicht nachvollziehbar: „Es ist alles genehmigt. Bisher war das Vorkommen des Schwarzstorches noch nie die Rede. Wenn ich vor den Verhandlungen einen Schwarzstorch gesehen hätte, dann hätte es dieses Projekt nicht gegeben. Obwohl auch im Burgenland Störche und Windräder durchaus miteinander können.“

Für Bock seien Bescheide Gesetze, die es gilt, einzuhalten. „Und genau das tun wir, denn Windräder machen mir keine Angst, Atomkraftwerke aber schon. Außerdem muss man hinterfragen, ob der Wald überhaupt für Protestkundgebungen genützt werden darf.“