Bezirk Zwettl: Wenn der Braten nach Hause kommt. Die Zwettler Wirte mussten bereits vor zwei Wochen wieder schließen. Hol- und Lieferservices werden von den Kunden aber gut angenommen.

Von Adelheid Kamin, Franz Pfeffer, Dieter Holzer und Markus Füxl. Erstellt am 18. November 2020 (04:39)

Noch vor der erneuten Verschärfung der Coronamaßnahmen wurden die Wirtshäuser für den regulären Betrieb gesperrt. Die NÖN hat sich umgehört, wie die Stimmung bei den Wirten im Bezirk ist und wie Abholservices genutzt werden.

„Die Schanz“ hofft auf baldiges Lockdown-Ende

Der Lockdown ist für Patrick Knapp, Rainer Zeilinger und Matthias Knapp von „Die Schanz“ eine bittere Pille. Hatten diese engagierten jungen Männer doch mit so viel Enthusiasmus erst am 25. September ihr Lokal eröffnet — und nun, nach sechs Wochen, die völlige Schließung.

Aber sie lassen sich nicht unterkriegen, wie sie im Gespräch mit der NÖN versicherten und nutzen die Zeit, um die Disco in einem völlig neuen Kleid erscheinen zu lassen und auf den neuesten technischen Stand zu bringen. So hoffen sie auf ein baldiges Ende des Lockdowns, um dann neu durchzustarten.

„Besonders fehlt mir aktuell der persönliche Kontakt zu unseren Gästen“ Wirt Rudi Hirsch aus Groß Gerungs

Rudi Hirsch vom Wirtshaus delikatESSEN in Groß Gerungs sagt: „Wir bieten wie im ersten Lockdown wieder Gassenverkauf an. Während der Woche kommen nur unsere Stammgäste, die auch sonst zu Mittag bei uns speisen und sich nun das Menü abholen. Das Wochenendgeschäft läuft sehr gut, da sich auch viele Zweithausbesitzer Essen bestellen.“

Gekocht wird, was für den Gassenverkauf geeignet ist, wie Backhenderl, Schnitzel, Faschierter Braten, Schweinsbraten, Rindsbraten oder Fisch und natürlich mit Beilagen wie Knödeln oder Erdäpfeln in den verschiedensten Variationen.

Rudi Hirsch: Zeit nutzen, um Chutneys herzustellen

„Besonders fehlt mir der persönliche Kontakt zu unseren Gästen und ich freue mich schon auf die Zeit, wo wir wieder aufsperren dürfen“, sagt Hirsch. Auch für die Spitzenköchin und Küchenchefin Renate Stadlhofer ist es schade ihren Gästen ihre Kreationen nicht auf dem Teller servieren zu können und sie sehnt den Tag herbei, wo die Gäste wieder ins Lokal kommen dürfen.

Inzwischen nutzen Hirsch und seine Küchenchefin die Zeit, um Chutney und Marmeladen herzustellen, die als Weihnachtsgeschenke sehr beliebt sind.

Bergwirt Schrammel: Kundenfrequenz blieb gleich

Auch für den Bergwirt Schrammel in Moidrams bedeutet der Lockdown die Schließung des Lokals mit der Ausnahme von Abhol- und Lieferservice. Erfreulich ist, dass die Kundenfrequenz trotz dieser Situation gleich geblieben ist. Dazu trägt womöglich bei, dass der Bergwirt seit mittlerweile 230 Jahren für echten Waldviertler Genuss steht.

Die Wirtinnen Eva und Maria Schrammel und Horst Berger hoffen, dass sie ab 8. Dezember wieder aufsperren dürfen und ein normaler Gasthausbetrieb herrscht.

Der Abholdienst, der genau nach Vorschriften abgehalten wird, ist jeden Sonntag von 11 bis 13 Uhr möglich. Dabei werden vier Menüs angeboten, jede Woche verschieden. Die Speisen werden professionell und hygienisch verpackt und an die Gäste weitergegeben. Wichtig sei, dass die Menüs ab Freitag telefonisch vorbestellt werden.

Renners Hol- und Bringdienst wieder stark frequentiert

Michael Renner ist überhaupt nicht begeistert darüber, dass er in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal sein Gasthaus in Ottenschlag für mehrere Wochen schließen musste. Trotzdem hat er schon im März rasch einen Hol- und Bringdienst mit Speisen aufgebaut. Geholfen hat ihm dabei sicher, dass er mit Hauszustellungen seit langer Zeit im Bereich „Essen auf Rädern“ Erfahrungen sammeln konnte.

Der Service wurde schon im Frühjahr gut angenommen, im Sommer in reduzierten Maß weitergeführt und wird nun seit zwei Wochen von den Kunden wieder stark frequentiert. Michael Renner informiert seine Kunden und Interessenten über die Neuen Medien. Er bietet täglich ein Menü sowie am Sonntag mehrere Speisen an.

Renner muss bei der Erstellung seiner Menükarte auf die Besonderheiten dieses Services Rücksicht nehmen. Es sind nicht alle Zusammenstellungen dafür geeignet, so kann er nur einen Teilbereich seines Angebots abdecken.

Der Umsatzverlust ist für alle Gastronomen schwer zu verkraften und viele rechnen mit der versprochenen raschen und unbürokratischen Hilfe, um weiterhin tätig sein zu können. Gerade im Wirtshaus fehlt besonders der persönliche Kontakt zu den Kunden und das – oft tägliche – Gespräch mit dem Wirt.