Wegen Corona: Zwettler Jeans-Geschäft sperrt zu. Ertl Jeans will sein Geschäft verkaufen. Gastronom Preiser ärgert sich.

Von Markus Füxl. Erstellt am 18. März 2020 (05:32)

Das erste „wirtschaftliche Opfer“ hat der Coronavirus bereits gefordert: Michael Ertl sperrt 2021 sein Jeans-Geschäft in der Zwettler Landstraße zu: „Das heurige Geschäftsjahr kann ich wegen Corona abhaken“, sagt er.

Er verstehe die verordneten Geschäftsschließungen und nehme sie zur Kenntnis. Allerdings kritisiert er: „An der derzeitigen Corona-Situation trägt das Versagen der Politik mit ihrer späten Reaktion eine Mitschuld.“ So waren Veranstaltungen wie Faschingsdienstagsumzüge nicht abgesagt, in Innsbruck hätten italienische Gäste zur Ausbreitung beigetragen und Direktflüge aus China wurden zu lange zugelassen, sagt der Unternehmer: „Ich ärgere mich maßlos über die Bundesregierung, es ist eine Mordsfrechheit. Und jetzt geht ihnen der Arsch auf Grundeis!“

Ertl sei der Spaß auf das Unternehmertum gründlich vergangen. Spätestens am 1. September möchte er kurzzeitig wieder aufsperren: „Ich habe die Herbstmode bereits bestellt, die kann ich nicht verschenken.“

„Möchte kein weiteres Corona 2.0 erleben“

Bis spätestens 2021 möchte er das Geschäft verkaufen. Sollte er keinen Käufer finden, startet im ersten Halbjahr 2021 der Abverkauf. „Ich will kein weiteres Corona 2.0 als Unternehmer miterleben. 65-70 Stunden Arbeit pro Woche für Lau interessieren mich nicht“, sagt Michael Ertl zur NÖN.

Disco-Betreiber fordert finanzielle Hilfe

Ärgern muss sich auch Helmut Preiser aus Großreinprechts. Er betreibt eine Disco, ein Landgasthaus und einen Heurigen – alle drei Betriebe haben seit Montag geschlossen: „Klar, es muss etwas passieren, wenn das Bedrohungsszenario derart groß ist. Aber ich darf trotzdem kritisch anmerken, dass ich, sowie viele meiner Kollegen, mit unseren Lokalen vor dem Ruin stehen, wenn wir keine Einnahmen in den nächsten Wochen lukrieren können, denn wir sind von wirklich jedem Euro abhängig“, schreibt er in einer Aussendung an die NÖN.

Er fordert finanzielle Hilfe in Form von Nachlass der Umsatzsteuerzahlungen über einen gewissen Zeitraum und Unterstützung aus dem Katastrophenfond. „In den Nachrichten wird von Lohnfortzahlungen gesprochen, Manager erhalten weiter ihre hohen Gagen, aber wir stehen vor dem finanziellen Ruin", sagt Preiser.

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