Die Bäume müssen weichen. Ärger über Schlägerungen im Zwettltal und bei Stausee. „Ist notwendig“, erklären Verantwortliche.

Von Markus Füxl. Erstellt am 25. März 2020 (04:56)
Neben der Auffahrt von der B 38 zum Stausee, kurz vor dem Kraftwerk, entstand dieses Foto. „Schlägerungen sind notwendig und nichts Neues“, erklärt der Forstdirektor Markus Reichenvater.
privat

Umfangreiche Schlägerungsarbeiten fanden bis vor Kurzem im Zwettltal statt. Brigitte Fröhlich meldete sich bei der NÖN: „Ich habe mit Entsetzen festgestellt, dass der ganze Hang vor dem kleinen Steinbruch abgeholzt wurde. Da stand keine Fichtenwald-Monokultur, sondern Laubmischwald. Barbarisch, was die treiben.“

Selbst, wenn ein kaputter Stamm dabei war, müsse nicht alles radikal gefällt werden, kritisiert sie.

Zuständig für das Gebiet ist die Bürgerstiftung Zwettl. Franz Oels erklärt: „Der Hauptgrund der aktuellen Schlägerungen liegt in der Herstellung bzw. Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit zum Schutze aller Waldnutzer.“

Die gefällten Bäume sind noch im Zwettltal zwischengelagert.
Brand

Durch eine sogenannte „Negativauslese“ wurde schlechtwüchsiges oder krankes Baum- und Astmaterial entnommen. „Die Schlägerungen beziehen sich vorwiegend auf überalterte Eichen, die in Folge der vergangenen trockenen Jahre sehr gelitten haben und die Kronen großteils schon stark zerfallen und dadurch ein hohes Verkehrssicherheitsrisiko besteht“, erklärt Oels.

Außerdem sind die Bäume auch oft von der Rotfäule befallen. Das sind Morschungen im Kernholzbereich. Das machte auch schon 2019 eine großflächige Rodung neben den Kamptalstiegen notwendig, die NÖN berichtete. „Unsere zweite Baumart in diesem Bereich ist die Esche, die durch ihren Pilzbefall im Wurzelbereich nicht mehr stand- und bruchsicher ist“, sagt Oels. Laut Oels sind die Forstarbeiten abgeschlossen und die Wege wieder frei begehbar. Lediglich einige Holzausbringungen werden im Frühsommer noch durchgeführt.

NÖN-Leserin: „Nacht-und-Nebel-Aktion?“

Auch beim Stausee Ottenstein wurde gerodet. NÖN-Leserin Renate Haindl sagt dazu: „Handelt es sich bei diesen Schlägerungen tatsächlich nur um Sicherheitsmaßnahmen? Und warum finden die gerade jetzt, während der Ausgangsbeschränkung statt, wo kaum Menschen unterwegs sind und damit kaum mit Aufmerksamkeit und damit Protesten zu rechnen ist? Es sieht vielmehr nach einer Blitz-Nacht-und-Nebel-Aktion aus, bei der die momentane Ausnahmesituation ausgenutzt wird.“

Das Gebiet wird von der EVN bewirtschaftet. Pressesprecher Stefan Zach erklärt die Maßnahmen: „Rund vier Hektar Waldfläche beim Stausee Ottenstein sind vom Borkenkäfer betroffen. Wir entnehmen das Holz, bevor der Borkenkäferbefall überhandnimmt.“

„Wald der Zukunft“ für Stauseegebiet geplant

Jener Teil, der nicht als Wertholz verwendet werden kann, wird im EVN-Biomasseheizwerk in Allentsteig verarbeitet. „In den nächsten Wochen soll ein ‚Wald der Zukunft‘ mit Baumarten, die mit den veränderten Wetterbedingungen besser zurechtkommen, erarbeitet werden“, erklärt Zach die Maßnahmen zur Wiederaufforstung.