Ehepaar reist für Entwicklungshilfe um die Welt. Für die Entwicklungshilfe fliegen zwei Lehrer aus Zwettl um die halbe Erdkugel. Die NÖN hat die beiden Abenteurer getroffen und über ihren Einsatz gesprochen.

Von Markus Füxl. Erstellt am 21. Februar 2018 (05:00)
Markus Füxl
Lehrer und Abenteurer: Die Zwettler Andreas und Christine Cermak fliegen für zwei Jahre nach Papua-Neuguinea. Sie betreuen vor Ort über 200 Schulen und stehen den Pädagogen als Berater zur Seite.

Die Abenteuerlust steckt dem Ehepaar Andreas und Christine Cermak tief in den Genen. Die beiden Lehrer aus Zwettl flogen am Montag dieser Woche für zwei Jahre nach Papua-Neuguinea. Die NÖN hat die beiden einige Tage zuvor besucht und mit ihnen über ihre Reise gesprochen.

25 Stunden Flugzeit und knapp 14.000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Zwettl und der 500 km² großen Insel Buka. Dort wollen die Cermaks in Zusammenarbeit mit der Entwicklungsorganisation „Horizont3000“ die schulische Infrastruktur verbessern. „Es gibt in Papua-Neuguinea keine Ausbildungsstätten für Lehrer. Gewalt in den Familien ist auch ein großes Problem. Wir wollen Kurse zu Friedensbildung und soziales Lernen organisieren“, erklärt Christine Cermak.

Nach drei Jahren in Afrika haben wir damals gesagt: Wenn die Kinder groß sind, gehen wir wieder auf Einsatz!Andreas Cermak

Sie wird über 200 Schulen als Beraterin zur Seite stehen. Ihr Mann Andreas wird acht Berufsschulen betreuen. Es sind aber auch ganz einfache Dinge, für die die beiden einen Standard schaffen wollen: „Oft wird über das Radio oder in der Kirche vermeldet, wann und wo eine Besprechung stattfindet. Viele wissen dann nicht einmal, wer die Ansprechperson in der Schule ist“, so Christine.

Die Infrastruktur auf der Insel sei aber „in Ordnung“. So gibt es eine funktionierende Post, Internet und einen Markt. „Es kann sein, dass es von der Hautcreme bis zum Haarshampoo alles gibt, vielleicht nur nicht jeden Tag. Ein paar Abstriche werden wir machen müssen, aber das wollen wir ja auch so“, sagt Christine.

Schwierige politische Situation

Politisch steht das Land vor einer schwierigen Situation. Ein Bürgerkrieg um eine Kupfer- und Goldmine auf der Insel in der Vergangenheit führte zu einer Volksabstimmung im nächsten Jahr. „Das Land möchte ein eigener Staat werden. Es kann sein, dass es zu Unruhen und Protesten auf den Straßen kommt“, sagt Andreas.

Sechs Wochen haben sich die beiden in Kursen intensiv auf die Reise vorbereitet. Von Tropenmedizinern erhielten sie Impfungen. Außerdem verkauften die beiden ihr Jagdauto.

Komplett sind die Zelte in Zwettl aber nicht abgebrochen. Ihr älterer Sohn Benedikt wird für die nächsten zwei Jahre den Haushalt weiterführen.

Auf die Frage, wie Freunde und Nachbarn auf die Reise reagiert hätten, schmunzelt Christine: „Die Reaktion war gemischt, es gab Bewunderung und Unverständnis. Unsere Kinder stehen aber voll hinter uns und haben uns bestärkt.“

Paar zog „aus dem Busch“ ins Waldviertel

Ganz neu ist dem Ehepaar die Reise in eine fremde Kultur nicht. Vor 25 Jahren verbrachten sie drei Jahre in Afrika mit Entwicklungshilfe. Zurück in Österreich standen sie vor einer wichtigen Frage: Wohin jetzt? „Wir wollten mit unseren beiden Kindern nicht aus dem Busch nach Wien“, sagt Christine lachend.

Das Ehepaar baute in Zwettl und schmiedete weiter Reisepläne: „Wir haben uns gesagt: Wenn die Kinder groß sind, gehen wir wieder auf Einsatz“, sagt Andreas.

Der Trink- und Abwasserspezialist des Roten Kreuzes ist mit Einsätzen in Entwicklungsländern vertraut. Er half etwa in Sri Lanka, Haiti und Pakistan beim Bau von Trinkwasseranlagen. Ganz kalt lässt den erfahrenen Katastrophenhelfer die Reise trotzdem nicht: „Ich steige mit Herzklopfen und Vorfreude in den Flieger, aber nicht mit Wehmut.“

Traum ging nach über 20 Jahren in Erfüllung

Um sich für die nächsten beiden Jahre ein Leben in einer neuen Welt aufzubauen, dürfen die beiden jeweils 40 Kilogramm Reisegepäck mitnehmen. Als Andenken an das Waldviertel packt das Paar „Erdäpfelschäler und Gemüsemesser ein“, sagt Christine lachend.

Auf die Frage, warum man die ganzen Strapazen auf sich nimmt, überlegen die beiden kurz. Dann sagt Christine: „In Österreich stehen einem alle Türen offen. Ich habe mein ganzes Leben lang Aus- und Weiterbildungen machen können. Für uns ist die Reise eine Chance, unser Wissen in den Schulen weitergeben zu können.“

Dass es jetzt ausgerechnet nach Papua-Neuguinea geht, ist für die beiden „ein Zeichen von oben“, so Christine. Bevor das Paar vor 25 Jahren nach Afrika ging, wollte man bereits damals nach Papua-Neuguinea. „Unser Traum geht jetzt in Erfüllung“, sagen die beiden.