Ende des Krieges: Bis zum letzten Mann

Erstellt am 11. Juni 2022 | 04:02
Lesezeit: 3 Min
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Der Gauleiter von Niederdonau, Hugo Jury (l.), zog sich mit Kriegsende von Wien nach Krems und schließlich Zwettl zurück. Emmerich Schröfl (r.) war von 1938 bis 1945 Bürgermeister in Zwettl.
Foto: Stadtarchiv Zwettl
Mai 1945: Zwettl soll vor den anrückenden Sowjets verteidigt werden. So weit sollte es allerdings nicht mehr kommen.
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Die letzten Monate des Zweiten Weltkrieges waren in Zwettl chaotisch. Mit dem Anrücken der Alliierten drohte auch die Stadt zum Kriegsgebiet zu werden. Damit verbunden kam es zu schweren Differenzen in der Zwettler NSDAP. Eine Entscheidung stand aus: Sollte Zwettl zur offenen Stadt erklärt werden, also nicht verteidigt werden, oder die Bevölkerung evakuiert und gekämpft werden? Am 17. April 1945 fiel die Entscheidung zugunsten der Verteidigung.

An den Einfahrtsstraßen zur Stadt errichtete man in Folge hölzerne Panzersperren (unter anderem am Teufelsberg und an der Kremser Straße). Eine Strafkompanie der deutschen Wehrmacht musste zudem rund um die Stadt Panzergräben und Schützenlöcher graben. Zu guter Letzt wurden an der Eisenbahnbrücke Sprengladungen platziert, um sie vor den anrückenden Sowjets sprengen zu können.

Von einem vereinten Deutschen Reich war zu diesem Zeitpunkt keine Rede mehr. Aus Berlin drangen zwar die Parolen von der „Verteidigung bis zum letzten Mann“, doch die Desertionen nahmen zu. Wer erwischt wurde, verlor sein Leben. Im April und Mai 1945 wurden in Zwettl an die 40 Soldaten wegen Fahnenflucht exekutiert, die kurz vor Ende des Krieges einem sinnlosen Heldentod entgehen wollten. Unter anderem im Zwettltal oder im Moidramser Wald mussten sie zuvor grausamst noch ihr eigenes Grab schaufeln.

Zur Verteidigung von Zwettl kam es nicht mehr. Der Gauleiter von Niederdonau, Hugo Jury, zog sich nach Zwettl zurück und rief die Bevölkerung zum Durchhalten auf. Mit dem 8. Mai trat allerdings die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches in Kraft. Als die Kapitulation bekannt wurde, kam es zu massiven Plünderungen in der Stadt.

Am 9. Mai Punkt 14 Uhr fuhr ein erster Jeep mit sowjetischen Soldaten über die Kremser Straße in Zwettl ein. Stunden später folgten weitere. Der Zweite Weltkrieg war damit auch in Zwettl endgültig vorbei. Gauleiter Hugo Jury bekamen die Russen nicht mehr zu fassen. Er erschoss sich in den Morgenstunden des 9. Mai in seiner Wohnung in der Gerungser Straße 10. In der Nacht zuvor soll es hier noch zu einem gemeinsamen Gelage zahlreicher NS-Funktionäre gekommen sein.

Kein Ende des Leidens in Sicht

Auch die Amtszeit von Bürgermeister Emmerich Schröfl war damit vorbei. Er regierte die Stadt seit dem „Anschluss“. Apotheker Josef Schüller wurde von den neuen Machthabern mit der Leitung der Gemeinde beauftragt. Der Schrecken der NS-Zeit war zwar zu Ende, doch für große Teile der Bevölkerung sollte die Nachkriegszeit erst recht unsägliches Leid mitbringen. Lebensmittel und Güter waren knapp und die Infrastruktur des Landes stark beschädigt. Die hölzernen Panzersperren ohne Sinn und Zweck sollten ein willkommener Brennstoff werden.

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