Gratis Coronatests für Lagerhaus- & Brauereimitarbeiter. Lagerhaus und Privatbrauerei Zwettl organisierten eine kostenlose Covid-Testung für ihre Mitarbeiter. Die beiden Geschäftsführer sprechen im Interview über aktuelle Herausforderungen und die Zeit nach der Krise.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 08. Januar 2021 (20:51)
Das Zwettler Lagerhaus und die Privatbrauerei Zwettl bieten ihren Mitarbeitern gratis Covid-Testungen. Lagerhaus-Geschäftsführer Hans Bayr, Betriebsrat Herbert Schießwald, Isabella Schwarzinger (Human Resources Privatbrauerei Zwettl) und Geschäftsführer der Privatbrauerei Zwettl, Karl Schwarz.
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Neben der Flächentestung, die vom Land Niederösterreich angeboten wird, organisierten das Lagerhaus Zwettl und die Privatbrauerei Zwettl am 8. Jänner gemeinsam eine kostenlose Covid-Testung für ihre Mitarbeiter.

Die Organisation erfolgte über das AMZ (Arbeitsmedizinisches Zentrum). Wirtschafts- und Arbeiterkammer übernahmen die Finanzierung. Beim aktuell durchgeführten Schnelltest wurden von 435 Personen drei Verdachtsfälle festgestellt. Mit dem sofortigen Fernbleiben vom Arbeitsplatz und einem PCR-Test unmittelbar im Anschluss wurden umgehend die erforderlichen Maßnahmen getroffen. Für die nähere Zukunft werden wöchentliche Testtermine ins Auge gefasst.

Die verantwortlichen Geschäftsführer Karl Schwarz und Hans Bayr sprechen über die Krise, die Folgen und auch die Chancen, die diese bietet.

Corona hat die Arbeitswelt massiv verändert. Die Schlagworte Kurzarbeit, Homeoffice und Lockdown sind in aller Munde. Was bedeutet die Coronakrise konkret – vor allem wirtschaftlich – für Ihr Unternehmen?

Karl Schwarz: Durch den Wegfall der Gastronomie als wichtigen Absatzkanal sind uns in diesem Bereich knapp 50 Prozent der Umsätze abhandengekommen. Auch die Verkäufe an Festveranstaltungen – hier zusätzlich mit alkoholfreien Getränken und Wein – sind praktisch auf Null gestellt. Positiv zu vermerken sind die starken Zuwächse in dieser Zeit über den Lebensmittelhandel, die jedoch den Umsatzausfall bei Weitem nicht kompensieren können. Konkret beträgt dieser im Geschäftsjahr 2020 rund elf Prozent.

Hans Bayr: Die regionale Grundversorgung – also Lebensmittel, Agrarbereich und Energie – konnte durchgehend aufrechterhalten werden. Unser Zustellservice, beziehungsweise auch „Click & Collect“ werden gut angenommen und konnten weiter ausgebaut werden. Im traditionellen Bau- und Gartenmarkt verzeichnen wir aufgrund der Lockdowns Umsatzausfälle. Insgesamt liegen wir 2020 bei drei Prozent Umsatzeinbußen. Aufgrund der zahlreichen Standbeine können wir 2020 dennoch mit einem akzeptablen Ergebnis abschließen.

Wie gehen Sie mit der aktuellen Situation in Ihrem Unternehmen um?

Hans Bayr: Die Arbeitsplätze im Lagerhaus konnten alle erhalten bleiben und sind abgesichert. Vorrangiges Ziel in den nächsten Monaten ist es, dass alle gesund bleiben – damit meine ich nicht nur unsere Mitarbeiter, sondern in Folge auch unsere Kunden. Bei uns müssen die entsprechenden Hygienestandards verbindlich eingehalten werden.

Karl Schwarz: Durch die Inanspruchnahme von Kurzarbeit ist es uns bis dato gelungen, Kündigungen zu vermeiden. Als Unternehmen mit einer gesunden Kapitalausstattung werden wir auch die nächsten Monate auf diese Weise gut überstehen können. Inwieweit uns danach Betriebsschließungen in der Gastronomie als Folgeerscheinung belasten, lässt sich aktuell noch schwer abschätzen. Die Lage in der Gastronomie ist allerdings mittlerweile dramatisch.

Sie haben einen gemeinsamen Testtermin für Ihre Mitarbeiter organisiert. Wie wird das von den Mitarbeitern angenommen und sehen Sie sich als Vorbild für andere Unternehmen?

Karl Schwarz: Klarerweise handelt es sich bei einer Testung immer nur um eine Momentaufnahme. Durch eine wöchentlich wiederkehrende Anschlusstestung hoffen wir jedoch, eventuell positive Fälle aufdecken und vom Betrieb fernhalten zu können. So wie in der Gesamtbevölkerung, sehen wir leider auch in unserem Unternehmen bei einigen Wenigen eine doch vorhandene Skepsis gegenüber der Sinnhaftigkeit der Testung und auch einer hinkünftig angebotenen Impfung. Ich bedaure dies sehr und bin darüber wirklich verwundert. Dennoch hoffe ich, durch gute Aufklärungsarbeit von öffentlicher Seite und auch individuell in den einzelnen Betrieben hier einen Stimmungswandel mit unterstützen zu können.

Hans Bayr: Ich kann mich diesen Worten nur anschließen. Für mich als Geschäftsführer ist es Ziel der nächsten Monate, dass für uns alle die wöchentliche Testung zur Routine wird. Ich erwarte mir, dass dieses Angebot von allen Mitarbeitern angenommen wird. Mit dieser Vorgehensweise gewährleisten wir natürlich auch unseren zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg.

Welche Lehren ziehen Sie als Führungsperson aus der aktuellen Situation?

Hans Bayr: Für mich war es eine durchaus positive Erfahrung, die Bestätigung zu bekommen, wie einsatzfreudig, engagiert und loyal unsere Mitarbeiter sind. Bei allen war die Bereitschaft gegeben, über den Tellerrand hinauszuschauen und Dinge in Angriff zu nehmen, die man davor vielleicht gar nicht für möglich gehalten hat.

Karl Schwarz: Positiv überrascht bin ich von der Flexibilität und kurzfristigen Anpassungsfähigkeit unserer Mitarbeiter bei verschiedensten Maßnahmen, die wir getroffen haben. Die richtige Form der Kommunikation ist wohl der entscheidende Faktor, wie man eine solche Krise gemeinsam bewältigen kann.

Es heißt immer: „Jede Krise bietet Chancen“. Wie sehen Sie das? Welche Erwartungen haben Sie an die Zeit danach?

Karl Schwarz: Obwohl grundsätzlich Optimist, sehe ich leider wenig Positives, das uns diese Krise als Chance bieten kann. Einzig die Hoffnung, dass sich die Gesellschaft im Gesamten in ihrem Umgang mit der Natur, den Ressourcen und auch dem wirtschaftlichen Streben nach immer Mehr besinnt und dieses kritisch hinterfragt.

Hans Bayr: Die Zeit des Übergangs wird jetzt entscheidend werden. Es ist enorm wichtig, geplante Aktivitäten und Investitionen möglichst rasch in Angriff zu nehmen und somit keinesfalls ins Hintertreffen zu kommen. Investitionsförderungen der Öffentlichen Hand sind sinnvoll und werden hoffentlich von vielen Menschen genützt. Wir für unseren Teil werden im Jahr 2021 rund neun Millionen an Investitionen tätigen, wobei ein Drittel davon auf Reparaturen entfällt. Als positiv empfinde ich das geschaffene Bewusstsein für die Regionalität, den Zusammenhalt und auch die dadurch wiedergewonnene Attraktivität des Lebens auf dem Land.