Zwettl ist Corona-Hotspot in Niederösterreich. 142 neue Coronafälle in nur einer Woche bescheren dem Bezirk Zwettl eine 7-Tages-Inzidenz von 340. Bezirkshauptmann vermisst Disziplin, Groß Gerungs Bürgermeister Maximilian Igelsböck warnt vor "Sperrbezirk": Ab einer Inzidenz von 400 drohen nämlich Ausreisetests.

Von Markus Füxl und Karin Pollak. Erstellt am 16. April 2021 (16:40)
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Bedenkliche Entwicklungen sind im Bezirk Zwettl zu verzeichnen: Aktuell beträgt die 7-Tages-Inzidenz laut Dashboard der AGES 340. Damit ist Zwettl niederösterreichweit der Bezirk mit den meisten Infektionen, hochgerechnet pro 100.000 Einwohner. Österreichweit liegt man auf Platz 2, nur Lienz in Tirol hat mit einer Inzidenz von 453 einen noch höheren Wert.

142 neue Coronafälle schlugen in den vergangenen sieben Tagen auf. "Wir sind dabei, noch genauer zu kontrollieren, denn die Disziplin lässt zu wünschen übrig. Ich will nämlich nicht, dass es im Bezirk Zwettl zu Ausgangssperren kommt", erklärt Bezirkshauptmann Michael Widermann auf NÖN-Nachfrage. In die selbe Kerbe schlägt Bürgermeister in Groß Gerungs und Gemeindebund-Obmann Maximilian Igelsböck: "Wir müssen unbedingt mit den Zahlen runter. Wenn es weiter steigt, wird es gefährlich".

Igelsböck verweist auf die Ausreisebeschränkungen, die ab einer Inzidenz von 400 in Kraft treten. Dann folgen nämlich Polizeikontrollen auf den Straßen, der Bezirk darf nur mehr mit negativen Coronatests verlassen werden. "Das wäre vor allem für die Pendler ärgerlich", sagt Igelsböck. Als Folge müssten die Gemeinden ihre Testkapazitäten erweitern und auch am Wochenende verstärkt Abstriche nehmen.

Igelsböck vermutet Hotspot aus Oberösterreich

Woher kommen die Zahlen? "Ich vermute einen Hotspot aus Oberösterreich, der über Langschlag auch nach Groß Gerungs schwappt", erklärt Igelsböck. Als Folge auf die steigenden Zahlen im Bezirk fand heute, Freitag, eine Videokonferenz der Bürgermeister mit dem Bezirkshauptmann statt. "Ich kann nur an alle Bürger mahnend appellieren: Wir leiden alle darunter, wenn wir die Zahlen nicht drücken können", sagt Igelsböck. Wie der Bezirkshauptmann vermisst er mit Blick auf die Straßen die Moral in der Bevölkerung: "Da merke ich nichts von einem Lockdown".

Wirtschaftlich machen sich die Folgen des Lockdowns aber bereits bemerkbar, betont Igelsböck: "Ich bin mit vielen Betrieben in Kontakt, die finanziell mehr als nur am Rand stehen..."

Schwarze Fahne für Corona-Tote

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Aktuell wird heute, Freitag, in ganz Österreich den Corona-Toten gedacht. Aus diesem Grund hängen schwarze Fahnen an öffentlichen Gebäuden, auch im Bezirk Zwettl. Laut AGES sind bisher 33 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus aus dem Bezirk zu verzeichnen.