Jäger sind sich einig: Wolf kommt Zwettl näher. Knapp fünf Kilometer von Zwettl entfernt wurde totes Reh gefunden.

Von Markus Füxl. Erstellt am 23. Januar 2019 (04:00)
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Die unterschiedlichen Fährten deuten laut Jäger auf zwei Wölfe hin. Die Abdrücke rechts wurden bei einem toten Reh in Kleinschönau gefunden.

So nahe wie noch nie an der Bezirksstadt dürften ein oder mehrere Wölfe zugeschlagen haben. Ein Reh wurde Ende Dezember 2018 in Kleinschönau gerissen. Jäger sind sich darüber einig: Es war „Meister Isegrim“.

Über Gerüchte, dass sich der Wolf regelmäßig immer näher an die Bezirksstadt herantraut, weiß Bürgermeister Franz Mold nichts: „Bisher ist noch niemand mit konkreten Sichtungen an mich herangetreten.“ Er betont: „Wölfe haben grundsätzlich eine Scheu vor dem Menschen. Wenn er sich aber auf bis zu 30 Meter nähert, ist er ein ‚Problem-Wolf‘ und darf mit Bescheid der Bezirkshauptmannschaft vergrämt oder geschossen werden.“

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Dieses enthauptete Reh fanden Jäger bei Kleinschönau. Die Bauchdecke war offen, die Innereien herausgerissen.

So nahe dürfte der Wolf bei dem Vorfall in Kleinschönau nicht gekommen sein. Der Jäger Hans Ebner fuhr am 19. Dezember zu einer Tierfütterung in sein Revier bei Eschabruck. Auf dem Weg entdeckte er in Kleinschönau ein totes Reh, knapp 300 Meter von der Ortschaft in Blickrichtung Friedersbach entfernt. Sofort verständigte er seinen dort zuständigen Kollegen, den Jäger Josef Hahn. Dieser bestätigt den Vorfall gegenüber der NÖN: „Jetzt hat der Wolf auch mich beglückt.“

Hahn machte mehrere Fotos von dem Tier. „Das Haupt war weg und das Reh war in der Mitte halb angefressen“, schildert der Jäger. Im Schnee fand er mehrere handflächengroße Abdrücke, die seinen Verdacht bestätigen sollen: „Die Spuren deuten auf zwei Wölfe hin.“ Dass es sich bei den Spuren um einen Abtritt eines Hundes oder eines Fuchses handelt, schließt er durch Form und Größe aus.

„Die Spuren deuten auf zwei Wölfe hin. Jetzt hat er auch mich in meinem Revier einmal beglückt...“Jäger Josef Hahn

Auch für Hans Ebner ist klar, dass es ein Wolf war. Dass das Reh vorher angefahren wurde und sich erst danach Tiere daran zu schaffen machten, hält er für unwahrscheinlich: „Die Straße ist vom Fundort relativ weit weg. Die Abdrücke sind für mich eindeutig.“

Die beiden Jäger verständigten Bezirksjägermeister-Stellvertreter Manfred Jäger und schickten ihm die Fotos. „Der Verdacht eines Wolfsrisses liegt in der Luft. Ich kann es nicht hundertprozentig sagen, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß“, sagt Jäger im NÖN-Gespräch.

Laut ihm gab es bereits vor zwei bis drei Jahren Fälle, bei denen Wölfe vom TÜPl Tiere in Revieren gerissen haben, die direkt an die Bezirksstadt angrenzen. „Deshalb ist das auch keine Sensation. In diesem Fall gibt aber die Nähe der Ortschaft zu bedenken“, so sein Fazit.

Bisher werden gerissene Wildtiere nicht genetisch untersucht, um einen Wolf eindeutig nachzuweisen. Geht es nach Manfred Jäger, soll sich das ändern. Er fordert von der Landesregierung: „In Zukunft muss es die Möglichkeit geben, Wildtiere genetisch zu untersuchen, die relativ eindeutig von einem Wolf gerissen wurden.“