Kater Muki: Blind, aber sieben Leben. Der Zwettler Kater „Muki“ ist von Geburt an blind. Die NÖN kam zum Spielen.

Von Markus Füxl. Erstellt am 07. April 2021 (03:13)
Philip Berger und Lena Edinger mit „Muki“: Der Kater ist von Geburt an blind. Das hindert aber nicht am Spielen am Kratzbaum.
Markus Füxl, Markus Füxl

Zielgerichtet springt Kater „Muki“ vom Fensterbrett am Balkon nach unten, bevor er sich auf sein Spielzeug stürzt. Dann setzt der Hunger ein und er tapst zu seiner Schüssel. Eine Szene, wie sie in vielen Haushalten vorkommt? Nicht ganz, denn Muki ist von Geburt an blind.

Die NÖN traf die „Eltern“ des besonderen Katers, Lena Edinger und ihren Freund, Philip Berger. „Er ist uns ans Herz gewachsen. Wir können es uns ohne ihn gar nicht mehr vorstellen“, sagen Philip und Lena. Seit August lebt Muki bei den beiden.

Am Straßenrand ausgesetzt. Den Weg in die Zwettler Wohnung hat der blinde Kater auf spektakulärem Weg gefunden: Philip war damals als Mitarbeiter des Roten Kreuz mit einem Rettungsauto in der Nähe von Ottenschlag unterwegs. „Bei einem Wald saß Muki plötzlich auf der Straße. Er hat miaut, die Augen waren voller Parasiten“, erzählt Philip. Er nahm den Kater mit, gemeinsam päppelten die beiden Zwettler das Tier auf.

Der Anfang war für das Trio nicht einfach: „Er hat natürlich alles erst lernen müssen, angefangen beim Stiegensteigen. Wir haben ihn immer angelockt, bis er es konnte“, erklärt Lena. Muki machte schnell Fortschritte, mittlerweile spielt er wie ein ganz normaler Kater. Dabei muss er sich vor allem auf seinen Hör-Sinn verlassen: „Sein Lieblings-Spielzeug ist ein Überraschungsei, das raschelt“, erklärt Philip. Auch das Thema Stubenreinheit war rasch geklärt: „Wir haben ihm nur einmal das Kisterl zeigen müssen. Seitdem ist das kein Problem“, erklären die beiden.

Muki, die Plaudertasche. Auch sonst erinnert nichts an die körperliche Einschränkung von Muki: Er springt vom Boden auf Fenstervorsprünge, ein großer Kratzbaum bietet ihm auch mehrere Ebenen zum Erkunden. Was Muki an Sinnen fehlt, gleicht er durch seine „Redseligkeit“ aus, sagt Philip lachend: „Manchmal redest du mit ihm und er miaut zurück, als ob er dir eine Antwort gibt.“ Wenn Herrchen und Frauchen von der Arbeit zurückkommen, schmiegt sich Muki am liebsten zu ihnen auf die Couch – wie ein ganz normaler Kater.

Gassigehen mal anders. Neben dem Spielen in der Wohnung hat Muki ein ganz besonderes Hobby: Er liebt lange Spaziergänge im Wald. Dazu leinen ihn Lena und Philip mit einem eigenen Katzen-Geschirr an. „Vier, fünf Kilometer sind für Muki kein Problem. Auch das Autofahren macht ihm nichts aus“, erklärt Philip. Dann klettert der verspielte Kater auf Bäume und läuft in der Wiese umher. Sein liebstes Spielzeug in der Natur sind Tannenzapfen: „Etwas besseres gibt es nicht. Er trägt sie dann wie eine Maus herum“, erzählen die beiden Zwettler.

Wenn das Trio nicht im Wald unterwegs ist, spazieren sie manchmal zu späterer Stunde durch die Stadt. Untertags ist dafür zu viel los. Wenn Kater Muki, Lena und Philip dann einem Spaziergänger begegnen, ist der blinde Kater Gesprächsthema Nummer eins: „Am Anfang fällt es den Leuten nicht auf. Wenn sie sehen, dass Muki blind ist, werden wir gleich darauf angesprochen“, sagt Lena.

Eine eigene Instagram-Seite. Wer den besonderen Kater „live“ sehen möchte, hat jederzeit die Gelegenheit – Muki hat nämlich bereits eine eigene Instagram-Seite. Unter dem Namen „muki_the_blind_cat“ posten die beiden Besitzer regelmäßig Fotos und Videos. Aktuell hat Muki 320 Abonnenten.