Kriegsgeschehen: Der Wind drehte sich

Erstellt am 03. Juni 2022 | 04:01
Lesezeit: 3 Min
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Vor und in den Anfangstagen des Krieges wurde in Zwettl noch viel gefeiert. Mit Kriegswende änderte sich die Stimmung allerdings Schritt für Schritt.
Foto: Stadtarchiv Zwettl
Mit Kriegswende nach dem gescheiterten Russland-Feldzug wandelte die Stimmung. 1945 standen die Alliierten vor der Tür.
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Zu Beginn war der Jubel noch groß, am Ende gab es selbst für die tiefsten Anhänger keinen Grund mehr zur Freude. Nur anderthalb Jahre nach dem Anschluss befand sich Österreich im Krieg. Ein Krieg, in dem die Achsenmächte zu Beginn noch zahlreiche Erfolge verzeichnen konnten, doch dessen Blatt sich bald schon wenden sollte. Ein Krieg, der ungeheures Leid nach Europa und weit darüber hinaus bringen sollte.

Der Rubikon wurde mit der Invasion Polens am 1. September 1939 überschritten. An diesem Tag wurde in Zwettl am Postgebäude ein leistungsstarker Lautsprecher montiert, damit möglichst viele Menschen die Durchsagen und Nachrichtensendungen hören konnten. Die Propagandamaschinerie zeigte Wirkung, denn zahlreiche Menschen fanden sich ein, um die Siegesmeldungen des Polenfeldzuges zu verfolgen.

Die Geschehnisse sollten in Folge schlagartig eskalieren. Unzählige wehrfähige Zwettler rückten ein. Mit dem Eintritt der Sowjetunion in den Krieg im Juni 1941 nahmen die Einberufungen nochmals zu. Die Einstellung zum Krieg sollte sich in der Bevölkerung aber bald schon wandeln. Veranstaltungen, die nicht von der Partei, der Wehrmacht oder dem Staat selbst organisiert wurden, nahmen ab. In Zwettl gastierte auch in Kriegszeiten mehrmalig das Gauorchester. Nach der Niederlage der Wehrmacht in Stalingrad war es allerdings endgültig vorbei mit der Lust auf Unterhaltung.

Da die Männer im Krieg waren, mussten die Frauen die Aufrechterhaltung der Wirtschaft übernehmen. Darüber hinaus wurden Kinder, die jüngsten zehn Jahre alt, für Aufgaben, wie den Luftschutz, eingesetzt und mussten Melder spielen.

Ende 1944/Anfang 1945 standen die Alliierten vor der Haustür

 Bei Schönwetter zog ein Bomber nach dem anderen über Zwettl zur Bombardierung wichtiger Industriezentren wie beispielsweise Gmünd. Aber auch in Zwettl fielen einige Bomben. Auch Luftgefechte ereigneten sich in der Region. Die Stadt kam dabei noch recht glimpflich davon.

Am 19. Jänner 1945 stürzte bei Böhmhöf eine amerikanische Aufklärungsmaschine ab. Die ersten Bomben wurden eher notgedrungen über Zwettl abgeworfen. Nach einem Luftkampf warfen zwei beschädigte amerikanische Flugzeuge bei Rudmanns-Edelhof und bei Ratschenhof insgesamt fünf Bomben ab. Am 31. März wurde ein Zug nahe der Haltestelle Gerotten von Flugzeuggeschossen durchlöchert. Eine Person kam dabei um und mehrere wurden verletzt. Ein Mädchen verlor einen Arm.

So langsam wurde auch den Letzten bewusst, was es bedeutet, auf der Verliererseite zu stehen. Was würde passieren, wenn nach Zurückziehen der Front auch Zwettl zum Kriegsgebiet werden würde? Eine Evakuierung wurde spätestens am 17. April 1945 ausgeschlossen. Die Stadt sollte verteidigt werden.

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