Tourismus hat Minus trotzdem gut verdaut. Zwettl verzeichnete 2020 Minus 12 Prozent Nächtigungen zu 2019. Aber: Starker Sommer und viele Pläne.

Von Markus Füxl. Erstellt am 20. Februar 2021 (05:28)
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Quelle: Stadtgemeinde Zwettl; Foto: George J/shutterstock; NÖN-Grafik: Hammerl

Angesichts der bundesweiten Lockdowns im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie mit monatelangen Schließungen der Nächtigungsbetriebe verzeichnete die Stadt Zwettl 2020 den zu erwartenden touristischen Knick: Nachdem 2019 noch rund 67.800 Nächtigungen zu verzeichnen waren, setzte es 2020 ein Minus um 8.233 Übernachtungen, beziehungsweise 12 Prozent. Die Zahl der Gästeankünfte ging um 7.852 zurück. Vor allem in den Monaten Februar bis Mai gab es ein dickes Minus von 64 Prozent bei den Nächtigungen. Den größten Einbruch gab es im April beim ersten Lockdown, dort fehlen knapp 5.000 Nächtigungen im Vorjahresvergleich.

Sommermonate mit Plus

Stadträtin Anne Blauensteiner analysiert das Tourismusjahr 2020.
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Nicht nur Schatten habe es gegeben, blickt Stadträtin Anne Blauensteiner (ÖVP) aber zurück. Sie verweist auf Steigerungen gegenüber 2019 noch im Jänner, danach löste der Waldviertel-Boom ab Juni/Juli ein stattliches Plus zu 2019 aus: Im Vergleichszeitraum der Sommermonate Juni bis September konnte bei den Nächtigungen ein Plus von 25 Prozent erreicht werden, in Zahlen um rund 8.300 Nächtigungen mehr. Bei den Ankünften ergibt sich in diesen Vergleichsmonaten ein Plus von knapp 1.600. „Die Urlauber sind im Durchschnitt länger bei uns geblieben. Sie haben also nicht nur Kurzurlaube gemacht, sondern zum Teil auch ihren ganzen Sommerurlaub bei uns verbracht“, freut sich Blauensteiner.

Durch den e-Bike-Boom sei auch das „hügelige“ Waldviertel für Alltagsradler interessant geworden. Die Stadtgemeinde kam dem Trend nach und stockte ihren Fuhrpark auf. Ab dem Frühjahr stehen fünf e-Bikes und acht Räder zum Verleih zur Verfügung. Auch die Zertifizierung zum „Wanderdorf“ sei ein Aushängeschild für viele Touristen, erklärt Blauensteiner. Ein Plus von fast 24 Prozent brachte auch noch der September, ehe der kräftige Anstieg der Infektionsfälle im Bezirk das Tourismusjahr im November praktisch beendete.

Plätze für Wohnmobile noch vor Sommer

Aktuell plane man an der Schaffung von Wohnmobil-Stellplätzen, die NÖN hat berichtet. Es stehen mehrere Standorte in der engeren Auswahl, bis zum Sommer sollen sie umgesetzt werden, sagt die ÖVP-Stadträtin. Die 2020 gestarteten „Sommer-Dates“ sollen auch im zweiten Jahr der Pandemie die Innenstadt an jedem Samstag beleben, ab dem 27. März steht auch der Rathausmarkt wieder in den Startlöchern.

Neues Modell der Zimmervermietung wird geprüft

Außerdem möchte Blauensteiner ein neues Modell der Zimmervermietung prüfen: „In Wien gibt es etwa die ‚Grätzelhotels‘, bei denen in alten Häusern Räume vermietet werden. Eine zentrale Rezeption erleichtert es den Eigentümern, die nicht selbst die Verwaltung übernehmen müssen.“ Blauen-steiner möchte heuer prüfen, ob ein solches Konzept auch für Zwettl passen könnte.

Die Grenzschließungen im Coronajahr machten sich auch bei den Gästen aus der Tschechischen Republik (2020: 162, 2019: 286), Slowenien (2020: 142, 2019: 55) und Deutschland (2020: 1.910, 2019: 2.012) bemerkbar. Erstmals nächtigten neun Franzosen, 33 Südkoreaner und vier Griechen 2020 in Zwettl.

Aus dem Inland war Zwettl besonders bei den Niederösterreichern gefragt, dahinter lag Wien, Oberösterreich und die Steiermark.

Waldviertel mit geringstem Minus aller NÖ-Tourimusdestinationen

Insgesamt war das Waldviertel jene Tourismus-Destination in Niederösterreich, die mit dem eindeutig geringsten Aderlass durch das Coronajahr 2020 kam: Landesweit gingen die Übernachtungen um 40,5 Prozent zurück, die Ankünfte gar um 48,7 Prozent – im Waldviertel gingen sie „nur“ um 28,0 (Übernachtungen) bzw. 30,8 Prozent (Ankünfte) zurück. Hinsichtlich Nächtigungen lag Gmünd somit exakt im Viertelstrend, bei Ankünften kam die Bezirkshauptstadt nur etwas schlechter weg.

Am schlimmsten erwischte es landesweit den Wienerwald und Donauraum mit -54 bzw. -47 Prozent an Übernachtungen.