Claudia Zinner will neue Perspektive für Landwirtschaft. „Der Bezug zur Landwirtschaft ist verloren gegangen“, sagt Claudia Zinner. Sie will das wieder ändern.

Von Angelika Koll. Erstellt am 25. Juli 2020 (05:09)
Claudia Zinner hat das erste Kommunikationsbüro für Landwirtschaft im deutschsprachigen Raum aufgebaut.
Dieter Schewig

Von der Arbeit in der Politik zum eigenen Unternehmen. Claudia Zinner führt in Zwettl das erste Kommunikationsbüro für Landwirtschaft im deutschsprachigen Raum und hat nun zusätzlich mit „WERTGEBEN.at“ eine Werbeagentur gegründet.

Zinner wuchs auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Waldhausen auf, wo sie schon immer mithalf, und besuchte die landwirtschaftliche Schule in Wieselburg. Nach dem Abschluss begann sie, Agrarwissenschaften auf der BOKU in Wien zu studieren nahm nebenbei verschiedene Jobs an. „Ich habe viel in politischen Büros gearbeitet“, sagt Zinner. Der Bezug zum Waldviertel sei währenddessen immer geblieben und sie sei jedes Wochenende nachhause gekommen.

Zinner war unter anderem zwei Jahre bei der Landjugend Österreich und zwei Jahre als parlamentarische Mitarbeiterin beschäftigt. „Die wohl prägendste Zeit für mich waren die Jahre 2016/17“, meint Zinner. Sie war politische Referentin für Erwin Pröll und begleitete den Übergang zur jetzigen Landeshauptfrau Johanna Mickl-Leitner bevor sie dazu wechselte, für Landesrat Ludwig Schleritzko zu arbeiten.

Nach nur sechs Wochen dort kam jedoch ein Anruf mit dem Angebot, im Wahlkampfteam von Sebastian Kurz mitzuarbeiten, was sie annahm. „Das war sehr intensiv“, sagt sie. Im Team habe man sich nie mit „tschüss“, sondern immer nur mit „bis später“ verabschiedet.

„Lebensgrundlage steht auf dem Spiel“

Nach dieser Zeit jedoch dachte sich Zinner: „Aus, ich hab mein Studium noch nicht fertig“ und schloss neben Agrarwissenschaften noch in Kommunikation mit Schwerpunkt Politik ab. In ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich bereits mit dem Thema der Kommunikation in Land- und Forstwirtschaft und damit, was sie oft erlebt hatte: Nämlich, dass die Menschen keine Ahnung von der Landwirtschaft mehr haben.

„Während ich meine Masterthese geschrieben habe, habe ich mir gedacht: Ich glaube, ich will nicht mehr in die Politik zurück“, erwähnt Zinner und gründete nach ihrem Studienabschluss das Kommunikationsbüro für Landwirtschaft. „In der Vergangenheit war es nie notwendig, Landwirtschaft zu kommunizieren, doch in der heutigen Zeit haben die Menschen den Bezug dazu verloren“, erklärt Zinner.

Sie habe etwa mitbekommen, dass Menschen in rohe Erdäpfel beißen, weil sie nicht mehr wissen, dass diese zu kochen sind, oder denken, Heumilch werde aus Heu gemacht. Zinners Ansprüche für das Kommunikationsbüro liegen dabei nicht im finanziellen Gewinn, sondern in der Notwendigkeit etwas zu tun. Es geht darum ein neues bäuerliches Bewusstsein zu schaffen und die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu verändern. „Unsere Lebensgrundlage steht auf dem Spiel. Die Bauern werden immer weniger“, betont Zinner.

Immerhin müsse in der heutigen Zeit niemand mehr Landwirt werden, es gäbe genügend Möglichkeiten. Viele Menschen würden nur die großen Maschinen sehen, in Wahrheit sind Bauern meist von Förderungen abhängig und trotz unserer schnelllebigen Zeit dem Tempo der Natur ausgesetzt. Zwischen Konsument und Produzent entstehen so große Widersprüche. „Einerseits wollen die Menschen das Natürliche, sind dann aber nicht bereit, den höheren Preis zu zahlen“, meint die Unternehmerin.

Der Schlüssel ist die Kommunikation

Mit dem Kommunikationsbüro bietet Zinner vor allem Beratungen und hält österreichweit Vorträge. Die Öffentlichkeitsarbeit lagert sie nun aus und ist gerade dabei, ihre Werbeagentur aufzubauen. Zu ihren Kunden gehören alle, die irgendwie in der Wertschöpfungskette der Landwirtschaft tätig sind. Zusätzlich hat Zinner Lehraufträge an der FH Wieselburg. Sie ist überzeugt: „Jeder muss etwas tun, auch die Bauern müssen bereit sein für Veränderungen.“

Dass Corona etwas an der Mentalität der Menschen gegenüber der Landwirtschaft geändert habe, sieht Zinner skeptisch. Die Situation sollte aber als Chance gesehen werden, um eben nicht wieder zur alten Normalität zurückzukehren. Eines ist für die Unternehmerin jedoch klar: Kommunikation ist der Schlüssel, und davon profitieren die Bauern und die Konsumenten.