Zincke gegen Igelsböck: Wirbel in Groß Gerungs. Künstler Johannes Wohlgenannt Zincke über den Gerungser Bürgermeister: „Er denunziert Bürger.“ Igelsböck behält sich jetzt rechtliche Schritte vor.

Von Karin Pollak. Erstellt am 29. Oktober 2020 (04:03)
Johannes Wohlgenannt Zincke (links) kritisiert das Schreiben des Groß Gerungser Ortschefs. Bürgermeister Maximilian Igelsböck: „Habe allgemein über Verhinderer geschrieben.“
Caroline Bobek (Zincke) bzw. NÖN-Archiv

Keine guten Freunde dürften der Groß Gerungser Bürgermeister Maximilian Igelsböck und der Künstler und recreate-Initiator Johannes Wohlgenannt Zincke sein. Seit Jahren gibt es zwischen den beiden Unstimmigkeiten. Jetzt kritisiert Wohlgenannt Zincke den Stadtchef wegen der fehlenden Raumplanungsordnung, von der er selbst betroffen sei, und den Bürgermeister-Leitartikel in den aktuellen Stadtnachrichten.

Wohnung des Künstlers vor einer „Gefängnismauer“. Dezidiert geht es dem Künstler um die neue Bipa-Filiale, die direkt an das Haus, in dem er wohnt, angrenzt.

Johannes Wohlgenannt Zincke kritisiert Schreiben von Groß Gerungser Ortschef.
Caroline Bobek

„In acht Meter Entfernung von meiner Hauswand wurde die Rückwand der Bipa-Filiale errichtet. Eine Gefängnismauer, optisch identisch mit der Gefängnismauer in Krems-Stein. Aber alles ganz legal“, zeigt Wohlgenannt Zincke in einem Schreiben an die NÖN auf, und: „Ich habe kein Recht, eine Begrünung, in welcher Form auch immer, zu fordern.“

Bürgermeister Maximilian Igelsböck kann mit dieser Kritik leben. Er selbst sei in diesem Projekt nicht involviert gewesen: „Die Bezirkshauptmannschaft hat die notwendigen Verhandlungen geführt. Das Grundstück gehört der Bäckerei Weingartner. Die Gemeinde hat Vizebürgermeister Christian Laister als Baureferent vertreten.“

Kritik gab es schon an der Planung. Schon bei der Planung des Neubaues der Bipa-Filiale hatte Wohlgenannt Zincke seine Einwände mit einem Leserbrief in der NÖN aufgezeigt. Vertane verkehrspolitische Chancen seien die nicht durchgeführte Verlegung der Zufahrt zur Bipa-Filiale über die Johann-Ortlieb-Gasse gewesen, hat er damals gemeint.

Außerdem forderte er eine Verbreiterung der Kreuzung B119/Johann-Ortlieb-Gasse. Beide Ideen musste Igelsböck ablehnen und verwies auf Verkehrskonzepte und Planungen, die von Experten begutachtet wurden.

Leitartikel ein persönlicher Angriff. Dieser öffentliche Diskurs sei laut Wohlgenannt Zincke die Grundlage für Igelsböcks Leitartikel in den im Oktober erschienen Stadtnachrichten: „Der Bürgermeister schreibt etwa, dass sich das Verständnis und die Akzeptanz für das Allgemeine leider sehr oft in Grenzen halten würde. Er denunziert damit einige nicht genau genannte Bürger als Verhinderer seiner zufunftsweisenden Projekte. Damit hat er vermutlich auch mich gemeint.“

Igelsböck aber auf Augenhöhe zu begegnen und dazu noch eine andere Meinung zu haben, sei laut dem Künstler mit dem persönlichen Interesse des Bürgermeisters, „alleiniger Herr zu sein“, nicht vereinbar, heißt es in einem weiteren Schreiben von Wohlgenannt Zincke an die NÖN.

„Dieser Charakterzug bestimmt sein ganzes öffentliches Wirken. In seiner eigenen politischen Fraktion genauso, wie im entferntesten Winkel seiner Stadt. In den Stadtnachrichten trifft es nun Leute, die ganz sicher nicht leichtfertig Einwände vortragen. Er stellt sie bloß, diffamiert sie und erklärt somit seine Ideen und Wünsche zum Maßstab über Gut und Böse. Eine Inszenierung wie ein Schauprozess“, poltert der Künstler und hat auch gleich eine Forderung parat: „Euer Bürgermeister soll gehen, und mit ihm möglichst viele Herren der Gemeindestube. Frauen sollen an ihre Stelle treten. Die Gerungser Stadtregierung ist eine rückständige Männerwirtschaft und kann allein deswegen keinesfalls zukunftsweisende Entscheidungen treffen“, heißt es in Wohlgenannt Zinckes Schreiben.

Allgemein gehalten. Die NÖN konfrontierte Bürgermeister Maximilian Igelsböck mit den Vorwürfen. Für ihn habe sein Leitartikel keinesfalls etwas mit Johannes Wohlgenannt Zincke zu tun.

Bürgermeister Maximilian Igelsböck: „Habe allgemein über Verhinderer geschrieben.“
Archiv

„Das ist seine Meinung, er fühlt sich halt angesprochen. Wir wollen in Groß Gerungs etwas weiterbringen und das ist auch im allgemeinen Interesse. In meinem Leitartikel habe ich allgemein über Verhinderer aus persönlichen Interessen, die ihre eigene Meinung durchbringen wollen, geschrieben“, stellt Igelsböck klar. Mehr wolle er zu diesen Vorwürfen nicht sagen, er behalte sich rechtliche Schritte vor.

„Recreate“ Grund für die Auseinandersetzung? Ob diese Unstimmigkeiten auf die Verlegung der Recreate-Konzertreihe von Groß Gerungs nach Weitra begründet seien, ließen beide Kontrahenten offen. „Wohngenannt Zincke wollte damals mehr Förderungen, die wir als Gemeinde aber nicht gewähren konnten“, meint Bürgermeister Igelsböck.

„2010 wurde Recreate einfach rausgeschmissen. Das hat niemand verstanden, ich war Igelsböck einfach lästig“, kontert der Initiator. Er habe für diese kulturelle Veranstaltungsreihe auch eine Landesförderung gebraucht und diese hätte es nur mit einer Gemeindeförderung gegeben. Und nach zehn Jahren hat mich die Gemeinde einfach nicht mehr gefördert. Die finanzielle Grundlage war einfach weg und wir sind dann nach Weitra übersiedelt. Igelsböck kann sehr grausam sein.“