Denkmal enthüllt: Die Vergangenheit ist nicht vergessen

Erstellt am 02. Juli 2022 | 04:34
Lesezeit: 3 Min
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An der Enthüllung der Gedenktafel nahmen teil: Petr Hruska, seine Gattin Jaroslava und Tochter Petra Hruska, Helena Adamcova, Hans-Günter Grech, Engelbert Pöcksteiner, Niklas Perzi, Manfred Wühl, Ulrich Küchl und Pater Vaclav Broz.
Foto: Edith Hofmann
Die tschechisch-österreichische Verbundenheit wurde bei der Enthüllung der Gedenktafeln in die ehemalige Ortschaft Gottschallings spürbar.
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Zur Enthüllung eines Denkmals als Erinnerung an die gefallenen und vermissten Soldaten des Ersten Weltkrieges wurde am 25. Juni in die ehemalige Ortschaft Gottschallings geladen, diese liegt unmittelbar nach der österreichisch-tschechischen Staatsgrenze.

Der Bau des Denkmals — es wurde an jener Stelle errichtet, wo sich bereits vor der Grenzschließung eine Gedenkstätte befunden hatte — wurde von Petr Hruska vom Orden der Kreuzritter vom roten Herzen in Auftrag gegeben, nachdem er über vier Jahre lang Nachforschungen angestellt hatte, um die Namen der Soldaten ausfindig zu machen, die aus den geschliffenen Ortschaften Altstadt, Wittingau, Gottschallings, Romau, Auern, Kain, Deutsch Bernschlag, Dobroten, Markl, Diettreichs, Wetzles, Reichers, Bernhards und Althütten stammten. Unterstützung fand er dabei in der tschechischen Historikerin Helena Adamcova, die auch die Namen auf den zwei Gedenktafeln verlas.

Der Kautzener Historiker Niklas Perzi, dessen Vorfahren auch aus der Grenzortschaft stammen, lobte den völkerverbindenden Gedanken von Petr Hruska: „Das ist eine Initiative, die aus Tschechien kommt, für einen Ort, an dem nur Deutsche gelebt haben. Außerdem hat Petr Hruska alles aus eigenen Mitteln finanziert.“

Perzi ging auch auf die Geschichte der meist wohlhabenden Grenzdörfer ein, auf die „wilde Vertreibung“ der Deutschen im Mai 1945, die Grenzschließung 1947 und den Versuch, die Ortschaften mit Tschechen und Slowaken aus ganz Europa wieder zu besiedeln. „Mit der kommunistischen Machtübernahme 1948 wurde auch der Übergang geschlossen. Es folgten der militärische Sperrgürtel und die Rücksiedelung der tschechischsprachigen Bevölkerung, ehe die Orte in Grenznähe alle gesprengt und der Eiserne Vorhang durch Stacheldrahtzaun sichtbar gemacht wurde“, erinnerte Perzi. Erst im Jahr 2006 sollte der Grenzübergang wieder befahrbar sein.

Dankbar zeigte sich Hans-Günter Grech, der, 1942 geboren, mit seinen Eltern ins Weinviertel ausgesiedelt wurde und der Obmann des Südmährer-Verbandes in Österreich ist. „Unsere Eltern haben viele Opfer gebracht, dass es uns gut geht. Es wäre schön, wenn das, was einmal getrennt wurde, doch wieder zusammenwächst.“ Bürgermeister Manfred Wühl betonte, wie wichtig es sei, sich immer wieder über die gemeinsame Vergangenheit Gedanken zu machen, um diese aufarbeiten zu können: „Solche Erinnerungsstätten können dazu dienen, das Vergangene nicht zu verdrängen und den Frieden zu bewahren.“ Wie viele Menschen nach ihren Wurzeln suchen, zeigten auch die interessierten Besucher, zumeist Enkel oder Urenkel der einst Vertriebenen.

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