Wann wird es Sommer? Experte im Interview. Sonne, Blitz und Regen begleiten uns durch den Sommer. Normal, oder nicht? Johannes Hager weiß es.

Von Claudia Christ. Erstellt am 30. Juli 2020 (04:35)
Johannes Hager ist Mitarbeiter der Biologischen Station des Wasserclusters in Lunz und Experte, wenn es um das Wetter geht. Seit 2013 schreibt er einen Wetterblog.
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NÖN: „Wann wird es wieder richtig Sommer?“. Der Rudi Carrell-Song aus dem Jahr 1975 kommt uns heuer öfter in den Sinn. Erinnert der heurige Sommer an einen Sommer wie damals?

Johannes Hager: Fakt ist, wir sind einfach von den heißen und trockeneren Sommern der vergangenen Jahre verwöhnt. Der heurige Sommer kommt uns deshalb außergewöhnlich vor, er ist aber eigentlich ein ganz durchschnittlicher. Nur was heute durchschnittlich ist, liegt 1,5 Grad über dem früheren Mittelwert. Im Juni lag die Temperatur sogar 0,4 Grad unter dem Durchschnitt. Von 1909 bis zur Jahrtausendwende gab es nur vier Juli-Monate, die wärmer waren, als der heurige. Unbestritten ist aber, dass es heuer ein besonders wechselhafter Sommer ist.

Wie sieht es mit den Regenmengen aus, liegen die auch im Mittelwert?

Hager: Der Juni war eindeutig zu nass, aber im Juli haben wir bis dato unser Monatssoll noch nicht einmal erreicht. Es ist aber auch kein außergewöhnliches Jahr, was die Niederschlagsmengen betrifft. Der viele Regen hat der Natur sichtlich sehr gut getan. Auch die Anzahl der Unwetter und Blitze liegt bis Anfang Juni unter dem Durchschnitt.

Der prognostizierte heiße und trockene Sommer scheint sich heuer nicht zu bewahrheiten. Warum ist es gerade in diesem Jahr so schwierig, eine treffsichere Prognose abzugeben?

Hager: Sichere Prognosen sind heuer etwas schwieriger, denn lokale Schauer und Gewitter lassen sich schwer vorhersehen. Generell ist eine Vorschau mit hoher Trefferquote von rund 75 Prozent nur für die nächsten drei bis vier Tage möglich. Bis zu einer Woche liegt die Treffsicherheit schon nur mehr bei 50 bis 60 Prozent, und ab einer Woche wird es besonders schwierig, das Wetter treffend vorauszusagen. In heißen, trockenen Sommermonaten herrscht üblicherweise eine Nord-Süd- beziehungsweise Süd-Nord-Strömung vor. Heuer gibt es seit Längerem wieder einmal eine West-Ost-Strömung. Diese beschert uns bekannter Maßen ein besonders wechselhaftes Wetter.

Jetzt eine Frage, die uns alle brennend interessiert: Können wir uns heuer noch auf ein beständiges Badewetter mit Werten über 30 Grad freuen?

Hager: Natürlich kann es im August noch zu einer ein- bis zweiwöchigen Hitzewelle kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass uns der wechselhafte Mix aus Regen, Sonne, Schauern und Gewittern auch im August erhalten bleibt, ist aber meiner Meinung nach größer und liegt geschätzt bei rund 60 Prozent.